Ausstellung «Cézanne».
Fondation Beyeler, Riehen/Basel
25.1. bis 25.5.2026

 


Paul Cézanne bei Beyeler –

erstmalig und einmalig

 

Mit dieser Präsentation hat Beyeler einmal mehr einen Coup gelandet. Auch zwei Monate nach der Eröffnung der Ausstellung lässt der Ansturm der Kunstfans in der Fondation Beyeler nicht nach. Alle wollen den berühmten «Wegbereiter der modernen Kunst» sehen. Die Leute drängen sich vor den Gemälden.

 

 

Ausstellungsplakat

 

 

Die Ausstellung ist auch deshalb so speziell, weil Beyeler Gemälde aus der ganzen Welt zusammen getragen hat. Aus den berühmtesten Museen von Paris bis Washington und von Kopenhagen bis Kansas, aber auch aus kleineren Kunsthäusern und zahlreichen Privatsammlungen. Das ist deshalb so spannend, weil man diese Werke sonst nie und nimmer zu Gesicht bekäme. Beyeler beweist einmal mehr, wie gut sein internationales Netzwerk funktioniert.

 

 

Paul Cézanne (1839-1906).
Selbstbildnis mit Palette, 1890.
Sammlung Bührle. Kunsthaus Zürich.

 

 

Die Ausstellung konzentriert sich auf Cézannes wichtigste Schaffensphase: auf sein Spätwerk in Aix-en-Provence. Von den berühmten Ansichten seines Lieblingsbergs, des Montagne Sainte-Victoire, sind gleich neun Versionen zu sehen. Dabei eine Reihe von Aquarellen, die man nur ganz selten zu sehen bekommt.

 

Paul Cézanne (1839-1906). Vue prise
des Lauves vers Aix, 1902-06.
Aquarell. Privatsammlung.

 

Paul Cézanne (1839-1906). La Montagne Sainte-Victoire, environs de Gardanne, 1887. National Gallery of Art, Washington.

 

 

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Paul Cézanne (1839-1906).

Le jardinier Vallier, 1906.
Sammlung Bührle. Kunsthaus Zürich.

 

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Titelbild (Ausschnitt)

Paul Cézanne (1839-1906).
La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1904-05. The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Portrait de l'artiste, 1895. Privat-sammlung.

 

 

 

 

 

Paul Cézanne (1839-1906) – Vater der Moderne

 

Wieso wird er als Wegbereiter der Moderne bezeichnet? Weil er mit seinem eigenen Stil gleichzeitig mit der akademischen Malerei und dem >Impressionismus brach. Heisst: Er liess gleichzeitig die klassische Nachahmung der Natur, die >Zentralperspektive und auch den impressionistischen Stil hinter sich.


Stattdessen begann er, Naturformen in einfache geometrische Grundformen wie Kugel, Zylinder und Kegel zu zerlegen. Damit kann er auch als Vorläufer des >Kubismus gelten.


Charakteristisch für seine Malweise sind auch nebeneinander gesetzte Farbfelder und Figuren, denen er eine dunkle Kontur verpasst (wie zum Beispiel in seinen berühmten «Badenden», siehe weiter unten).

 

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Paul Cézanne (1839-1906). La Montagne Sainte-Victoire, 1888. Stedelijk Museum Amsterdam.

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1902-06. Kunsthaus Zürich.

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1902-06. Privatsammlung.
 

 

Montagne Sainte-Victoire – Cézannes Lieblingsmotiv


Dank Cézanne wurde dieser Berg bei Aix-en-Provence weltberühmt – er malte ihn sein halbes Leben lang, je nach Quelle sechzig oder 80mal – in Skizzen, Aquarellen und Ölgemälden. Cézanne stammt aus Aix-en-Provence. Der Montagne Sainte-Victoire war sein Hausberg, den er schon als Jugendlicher bestieg, mit Freunden wie Emile Zola.

 

Um seinem Lieblingsberg noch näher zu sein, bezog Cézanne 1902 ein neues Atelier in Les Lauves. Das wurde nun zum Hauptstandort für die Produktion seiner Bergdarstellungen. Zwei weitere waren der Steinbruch von Bibémus und das Grundstück seines Schwagers in Bellevue.

Der Montagne Sainte-Victoire wurde eine Art Dialog-Partner für den Künstler. An ihm arbeitete Cézanne seine malerischen Probleme ab: Farbe, Raum, Form.

 

Erste Darstellungen «seines» Berges stammen aus den frühen 1880er-Jahren. In seiner Spätzeit (ca. 1895–1906) nahm er sich seines Berges erneut an, meist vom neuen Atelier in Les Lauves aus. Allein 1902–1906 entstanden hier mindestens elf Ölbilder und zahlreiche Aquarelle. In einigen Varianten (z.B. im Gemälde, das heute im Kunsthaus Zürich hängt) klingen bereits kubistische Formen durch. Oder mit den Worten des Künstlers ausgedrückt: «Die Natur besteht aus Zylindern, Kugeln und Kegeln».


Cézannes Serie des Montagne Sainte-Victoire gilt in Kreisen von Kunsthistorikern als Schlüsselwerk für den Übergang zur Moderne. Weil der Künstler damit zeigt, wie man aus einer gesehenen Landschaft eine strukturiert-abstrakte Bildordnung entwickelt. Die Formen werden immer stärker geometrisiert, die Bergrücken als Dreieck/Prisma, Häuser als Quader, Bäume als Zylinder usw.

 

>Cézanne als Wegbereiter für den Kubismus?

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Le garçon au gilet rouge, 1888-90.
Öl auf Leinwand. Sammlung Bührle. Kunsthaus Zürich.
 

Paul Cézanne (1839-1906). Le garçon au gilet rouge I, 1889-90.
Aquarell auf Papier. Privatsammlung.

 

Der lange Arm des Knaben mit der roten Veste


Eines von Cézannes berühmtesten Bildern. Aber warum ist es so berühmt, wo es doch offensichtliche künstlerische Fehler aufweist? Die Kunsthistoriker und Experten sind gnädig in der Beurteilung des zu lang geratenen Armes. Sie attestieren dem Künstler «strukturelle Kühnheit» und loben ihn für sein «radikales Nachdenken» über Form, Farbe, Raum und Bildaufbau.

 

Der «Fehler» wird als «bewusste Verschiebung» zugunsten der Bildorganisation erklärt: Er verlängere die Diagonale und balanciere den Körper. Zudem erhalte er eine architektonische Funktion und werde vom anatomischen Detail zu einer tragenden Bildachse. Der lange Arm werde als visuelles Kernstück wahrgenommen, er bündle jene formalen Spannungen, die das Bild kunsthistorisch so einflussreich gemacht hätten.

Na denn.

 

Der Garçon au gilet rouge gehört zu einer Serie von vier Ölgemälden. Als Modell diente dem Künstler der italienische Teenager Michelangelo di Rosa. Dieser posierte auch noch für zwei Aquarelle des selben Motivs.

 

Beide Aquarelle sind in der Ausstellung zu sehen, beide gehören Privatsammlern. Sie unterscheiden sich vom Ölbild nicht nur in maltechnischer Hinsicht, sondern auch im Bildaufbau. In beiden Aquarellen ist der Junge frontal dargestellt. Interessanterweise ist auch hier der eine Unterarm ziemlich lang geraten. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Gestaltung des Hintergrundes: der Künstler bespielt ihn nicht mit Farbe und belässt ihn als weisse Fläche.

 

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Cinq baigneuses, 1885-87. Kunstmuseum Basel.

 

Paul Cézanne (1839-1906). Baigneurs, 1890. Musée d'Orsay Paris.

 

Paul Cézanne (1839-1906). Sept baigneurs, 1900. Sammlung Beyeler.

 

 

Cézannes Badeszenen von 1885-1900


In der Zeit von 1870 bis 1906 malt er über 40 Gemälde und 70 Studien mit Badenden. Es sind Gruppen nackter Figuren in der Landschaft, verbunden mit der Natur. Es geht vor allem um die Körper. Für Gesichter interessiert sich der Künstler nicht gross, diese bleiben schemenhaft.

 

Cézanne knüpft mit seinen nackt Badenden an die Tradition klassischer Nymphen‑Szenen oder arkadischer Darstellungen an. (Arkadien = idealisierte Landschaften mit Hügeln, Bäumen, Nymphen- und Hirtengruppen). Die nackten Körper strahlen keine Erotik aus, sie stellen vielmehr einen vor‑gesellschaftlichen Naturzustand dar – vielleicht den Garten Eden.

 

Das Bild Cinq Baigneuses (65x65cm, Kunstmuseum Basel) erinnert mit seinen fülligen Nacktheiten an klassische Nymphen-Darstellungen, aber ist letztlich nur eine Badeszene – es fehlen die typischen Attribute wie Quellen, Putten oder Götter.

 

Die Baigneurs von 1890 (Musée d'Orsay, 60x82cm) sind in eine Landschaft mit Wolken und Bäumen integriert. Alle männlichen Figuren sind dynamisch dargestellt, jede in einer anderen Bewegung. Die Männerkörper erinnern irgendwie an anatomische Studien. Auffallend die dunklen Konturierungen.

 

In Sept baigneurs (38x45cm, Fondation Beyeler) arbeitet Cézanne mit groben Pinselstrichen – fast eher gezeichnet als gemalt – und mit stark vereinfachten Körperformen und klaren Konturen.

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Pommes et Oranges, 1899. Musée d'Orsay, Paris.

 

Paul Cézanne (1839-1906). Nature morte aux pommes et melons, 1895. Esther Grether Familien-sammlung.

 

 

Stillleben als malerisches Experimentierfeld

 

In der traditionell-akademischen Bewertung gelten Stillleben als die «niederste Gattung» (im 1. Rang steht die Historienmalerei, gefolgt von Porträts, Genres Landschaften und Stills). Das kümmerte Cézanne wenig. Er erhob die «nature morte» zum Experimentierfeld für Form, Raum und Farbe.


Gerade im Stillleben konnte Cézanne mit ruhenden Motiven wie Krügen, Tischtüchern und Früchten ohne Zeitdruck an Bildproblemen arbeiten – etwa an Perspektiven, Volumen, Raumtiefe.

 

Pommes et Oranges, 1899, gehört zu Cézannes wichtigsten Stillleben der späten 1890er Jahre. Das Musée d’Orsay bezeichnet das Werk als die «bedeutendste nature morte» des Künstlers in dieser Phase. Das Gemälde ist Teil einer Serie von sechs Stillleben, die 1899 in seinem Pariser Atelier mit immer denselben Requisiten entstanden: weisses Tuch, Krug, Früchte. Die Tischplatte ist gekippt, Teller und Compotier scheinen am Rand des Gleichgewichts, die Früchte rutschen beinahe nach vorn – ein bewusst kalkulierter Eindruck von Instabilität.

 

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Die Kartenspieler, 1893-96. Musée d'Orsay Paris.

 

 

Paul Cézanne (1839-1906). Die Kartenspieler, 1892-96. The Courtauld Gallery London. Samuel Courtauld Trust.

 

 

 

Die Kartenspieler – neu gewichtet


Ein bedeutendes Werk Cézannes. In diesem zeigt sich, wie er ein traditionelles Genre in etwas radikal Neues verwandelt – formal und motivisch. Motivisch knüpft Cézanne an eine lange Tradition von Kartenspieler-Szenen an (von Caravaggio bis zu den niederländischen Genremalern).

 

Bei diesen ging es stets um moralische Lektionen über Laster, Betrug und Ausschweifung in lärmenden, stinkenden Tavernen. Cézanne setzte diesem Moralin ein Ende. In seinen Bildern zeigte er gepflegt gekleidete Bauern oder Landarbeiter, die einfach nur schweigend und gesittet Karten spielen, ganz in sich gekehrt, aufs Spiel konzentriert. Die beiden Figuren heben sich vom Hintergrund ab, der flach und schmucklos bleibt.


Vom Sujet Kartenspieler malte Cézanne eine Serie von fünf Ölgemälden, dazu mehrere Zeichnungen und Aquarelle. Die Serie gilt als fundamentaler Bestandteil von Cézannes Entwicklung in den 1890ern und zeigt auch auf, wie sich der Künstler mit der wachsenden Demokratisierung auseinander setzte. Indem er einfache Bauern oder Landarbeiter aus Jas de Bouffan als würdevolle Figuren darstellte.

 

 

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