27. Mai bis 12. September 2021
«Vorüber_gehend Idylle und Künstlichkeit»

 

Kulturort Weiertal – 7. Biennale 2021


Ein verträumtes Tal, wo die heile Welt zu Hause sein muss. Und inmitten eines prächtigen Gartens: Kunst. Kunstwerke, die zum Nachdenken und zum Schmunzeln anregen. Zehn Künstlerinnen und zehn Künstler hinterlassen ihre Spuren für einen Sommer. Fast alle präsentierten Werke sind hier zum ersten Mal zu sehen. Sie wurden speziell für diese Biennale in freier Natur ausgedacht und entworfen.

 

 

plakat

Plakat Biennale 7.

 

 

Da gibt es Gebilde, die perfekt in die Landschaft passen – wie die verpackten Heuballen oder die Plexiglas-Treibhauskugeln, unter denen alles wachsen darf was will. Oder Manhattan-Glastürme im Weiher, in denen sich Goldfische einen erhöhten Ausblick erschwimmen können. Aber auch Dinge, die weniger in diese heile Natur passen wie der Lichttrichter, der wie eine Beton-Panzersperre aussieht, aber eine hoch-technologische Sensation ist. Oder der mediterrane Marktwagen mit Plastikspielzeug, der sich die Frage gefallen lassen muss: Kitsch oder Kunst?

 

 

 

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Rick und Maja von Meiss, die Gastgeber. Und die
Organisatoren und Gesamtleiter der Biennale im
Kulturort Weiertal.

 

 


Das Natur/Kunst-Idyll gibt es seit 2001.

Maja und Rick von Meiss haben aus ihrem prächtigen Garten mit Wiesen, Blumen, Sträuchern, Obstbäumen, mit Weihern und Bächen einen Skulpturen-Park geschaffen, der einmalig ist. Und nun schon zum siebten Mal während eines verlängerten Sommers die Biennale präsentieren kann. Kurator ist der Bündner Luciano Fasciati, der in Chur eine eigene Galerie betreibt.

 

 

 

Anfahrt ins Weiertal: Ins Navi eingeben
Rumstalstrasse 55, Winterthur
 
Öffnungszeiten 27.5.-12.9.21
Donnerstag bis Samstag 14–18 Uhr
Sonntag 11–17 Uhr
Bistro mit Sommersitzplätzen
 
Eintritt Park CHF 10.–, Saisonkarte CHF 25.–,
Führungen CHF 15.–. Freier Eintritt für Kinder
und Jugendliche.

 

 

 

 

>Website Kulturort und Galerie Weiertal

 

 

>Rückblick: 6. Biennale 2019

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild:
Marianne Engel (1972). Plexiglas-Halbkugeln
als kleine Treibhäuser. Titel «Schmerz am Rand der Geborgenheit».

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Not Vital (1948). Bales.
 

Not Vital (1948). Verpackte Heuballen?

 

So sehen sie aus – es sind aber keine. Sondern Kunstwerke. Skulpturen aus Stahl, mit weissem Lack überzogen. «Bales» nennt sie der Bündner Künstler (englisch für Ballen). Es ist das einzige Kunstwerk an dieser Biennale im Weiertal, das schon früher an anderen Orten gezeigt wurde: im englischen Somerset und im Engadin.

 

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Remo Albert Alig (1971) und Marionna Fontana (1974). Scala Naturae.

 

Alig & Fontana. Die Scala Naturae

 

Eine banale Leiter an einem Apfelbaum? Aber nicht doch! Die Scala Naturae hat es in sich. Ihr Fuss besteht aus Wurzelwerk und sie ist ganz und gar mit dem Baum verschmolzen (diebstahlsicher!), denn das Astwerk hat sich auf wundersame Weise durch die Leerräume der Leiter gezwängt. Den lateinischen Werktitel haben sich die KünstlerIn aus dem natur-philosophischen Konzept der «Stufenleiter der Natur» entlehnt.

 

 

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Reto und Markus Huber (1975). Funktionale Verstädterung – Städte voller Glück.

 

 

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Die glückliche Goldfische. Foto Maja von Meiss.

 

 

huber.huber – die Goldfischtürme

 

Die beiden Künstler aus Münsterlingen TG bringen mit dieser Installation die Stadt aufs Land. Sie nennen das «funktionale Verstädterung – Städte voller Glück». Nutzniesser sind die Goldfische im Weiher. Sie dürfen – wenn sie denn wollen – in die städtischen Türme einziehen, in ihnen aufsteigen und einen ganz neuartigen Blick auf ihren Teich und vielleicht auch auf die Besucher werfen.

 

Und das tun sie denn auch. Gegen Mittag hin, wenn die Sonne das Wasser erwärmt hat, steigen die «Fische des Glücks» in ihre Manhattan-Türme und geniessen (vielleicht) den Ausblick. Die Künstler wollen mit diesem Werk aber auch auf die Problematik hinweisen, die im Verhältnis Mensch-Tier liegt. Sie hinterfragen die Überzüchtung von Tieren zu unserem Gefallen – nicht nur von Glücksfischen in Kunstteichen.

 

 

   

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Andrea Giuseppe Corciulo (1972). «Luna Park», der mediterrane Marktwagen.

 

 

Corciulos mediterraner Marktwagen

 

Der Appenzeller Künstler erinnert in diesem Werk an Strandverkäufer am Meer, die nicht nur Kokosnüsse anbieten, sondern auch allerlei bunte Spielsachen aus Plastik. Er sieht in seinem «mediterranen Marktwagen» den globalen Warenverkehr im Kleinen symbolisiert und wirft gleichzeitig selbst die Frage nach der Grenze zwischen Kunst und Trash auf. Der Wagen steht einsam und verlassen im Park, kein Verkäufer weit und breit – Selbstbedienung fürs Publikum?

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Sonja Feldmeier (1965). Sleeping Tree.

 

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Blick in den sleeping tree.

 

Der schlafende Baum

 

Sonja Feldmeier aus Männedorf zeigt einen Baum, der keine Lust mehr hat in die Höhe zu wachsen, sondern sich zum Schlafen in den Boden zurück zieht. Aber tot ist er nicht. Wer in sein Inneres blickt, sieht ein flimmerndes blaues Licht, das den Eindruck vermittelt, der Baum reiche weit und tief ins Erdinnere. Mit dem Thema des «sleeping Trees» befasst sich die Künstlerin schon länger. Die Skulptur dieses Wurzelgeflechts aus schwarzem Epoxyharz ist 2013 entstanden. Sie wurde nun für die Weiertal-Biennale weiter entwickelt und mit der Lichtkomponente erweitert.

 

 

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Sandro Steudler (1971). Lichttrichter.

 

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Blick in den Lichttrichter.
 

 

 

Keine Panzersperre, sondern Licht-Trichter

 

Ein architektonischer Beitrag des Zürcher Künstlers. Auf den ersten Blick erinnert die Skulptur an eine Panzersperre aus solidem Beton. Das ist sie aber nicht. Sie besteht aus lichtdurchlässigem Beton, der über seine Oberfläche das Licht in ihr Inneres leitet und dort je nach Sonneneinstrahlung und Tageszeit faszinierende Bilder produziert.

 

Die Skulptur erzeugt aber nicht nur Licht, sondern auch Töne. Die Wände des Lichttrichters, der sich hinter der Betonfassade befindet, sind aus hartem Stahl, und wenn man an diese klopft oder seine Stimme im Innern des Trichters ertönen lässt, ergibt sich ein Klangbild, das die optischen Eindrücke noch verstärkt.

 

Eine Art Sperre ist die Skulptur aber dennoch: Sie steht am Rand des Parks und bewacht und sichert dort den Eingang.

 

 

   

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Marianne Engel (1972). Schmerz am Rand der Geborgenheit.

Kleine Treibhäuser – und mehr

 

Marianne Engel stammt aus Wettingen. Mit ihren Plexiglas-Halbkugeln auf der Wiese vermittelt sie zweierlei: Die Kugeln geben Schutz und Halt für alles, was da drin wachsen will und kann. Dann enthalten die Kugeln aber auch Erinnerungen der Künstlerin selbst. Sie hat in den Plexiglasgebilden persönliche Dinge platziert. Eine Art Grabbeigaben, die die Trauer und die Erinnerung aufrecht erhalten sollen. Zum Beispiel an den Kindstod ihres Bruders, der sein Grab unter einer Linde im Grünen hat. Deshalb nennt sie ihr Werk auf der Wiese im Weiertal «Schmerz am Rand der Geborgenheit».

 

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Zilla Leutenegger (1968). Mondzimmer.

Der im Keller gefangene Mond

 

«Mondzimmer» heisst die Videoinstallation der Zürcher Künstlerin. Es ist ein melancholisches Werk und will nicht so richtig in die Heile-Welt-Idylle des Parks passen. Zilla Leutenegger sperrt ihren Mond in den Keller. Der gleitet verzweifelt den Wänden entlang und sucht einen Ausgang – findet ihn aber nicht. Zur Untermauerung des «Dramas» erklingen sehnsüchtige Pianotöne.

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Fotos weitere Werke

 

>Rückblick: 6. Biennale 2019
   

 

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