Ausstellung «Im Herzen wild»

Kunsthaus Zürich vom 10.11.20 bis 14.2.21

 

Die wilde Schweizer Romantik.


Kunstgeschichtlich folgt die Romantik dem Klassizismus, der etwa bis 1820 das Mass aller (akademischen) Dinge war und sich mit der griechisch-römischen Antike befasste. Ab 1820 beginnt (kunstgeschichtlich) die >historische Moderne, und diese wiederum startet mit der Romantik.

 

Mit ihr wollten die Künstler der Malerei mehr Gefühl einhauchen. Die ersten berühmten Romantiker sind der Deutsche Caspar David Friedrich (1774-1840) und der Engländer William Turner (1775-1851). Ihre Werke haben zwar vom Malstil her wenig gemeinsam, aber beide Künstler schafften es, mit ihren stimmungsvollen Landschaftsgemälden für Furore zu sorgen.

 

 

plakat

Ausstellungsplakat.

 

 

Nur wenig später traten auch Schweizer Künstler in die Romantik ein. Sie hatten als Motive die heimatliche Bergwelt entdeckt und malten diese nun in den schönsten Farben, oftmals noch dramatischer und romantischer als die Natur selbst. Zu ihnen gehören François Diday und Alexandre Calame.

 

Romantik gibt es aber auch ausserhalb der Berge, Gletscher und Landschaft. Zum Beispiel in Form von menschlichen Dramen und Gefühlsausbrüchen. Oder auch von geschichtlichen Highlights bis hin zu Schiffskatastrophen auf hoher See.

Auffallend viele Werke in der Ausstellung haben «Briganten» zum Thema. Die Schweizer Léopold Robert und Charles Gleyre, aber auch der berühmte Franzose Eugène Delacroix befassten sich mit diesem Sujet. Was sind Briganten? Es handelt sich um Strassenräuber, um Banditen, die damals die Gegend um Rom und Neapel unsicher machten. Für die Maler waren sie vor allem aufgrund ihrer illustren und trachtenähnlichen Bekleidung ein beliebtes Sujet.

 

Léopold Robert soll sich sogar eine Bewilligung erwirkt haben, um Briganten in Gefängnissen malen zu dürfen. Und Charles Gleyre hat sich mit einem Briganten-Bild ein Denkmal gesetzt: «Die römischen Briganten». Es ist heute im Louvre zu sehen – damals (1831) getraute man sich noch nicht, es dem Publikum vorzusetzen, denn es strotzt vor Brutalität und bildet eine bevorstehende Vergewaltigung ab.


Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich präsentiert über 150 Werke von bekannten (und weniger bekannten) Künstlern mehrheitlich schweizerischer Herkunft – ergänzt durch internationale Berühmtheiten wie Friedrich, Turner, Delacroix.

 

Die Gemälde stammen aus namhaften schweizerischen und europäischen Museen.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

François Diday (1802-1877).
Die Aare an der Handeck, 1854.

Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schweizer Romantiker

 

diday

François Diday (1802-1877).
Die Aare an der Handeck, 1854. Kunsthaus Zürich.

 

François Diday (1802-1877).

 

Der Genfer Maler beginnt seine Karriere mit dem Verkauf von kolorierten Ansichtskarten an Touristen. Als Zwanzigjähriger bildet er sich dann in Paris weiter und kehrt schon bald wieder in seine Heimatstadt Genf zurück. Dort stellt er seine Arbeiten im Salon der Genfer «Société des Arts» aus. Seine Spezialität sind romantisch-dramatische Darstellungen der Schweizer Alpenlandschaft.

 

In seinem Genfer Atelier unterrichtet er Schüler, darunter auch den nur acht Jahre jüngeren Alexandre Calame.

 

 

calame

Alexandre
Calame
(1810-1864).
Vierwaldstätter-see, 1856. Kunsthaus
Zürich.

 

Alexandre Calame (1810-1864).

 

Der bekannteste Schweizer Landschaftsmaler der Romantik. Er stammt aus Vevey und lernt sein Handwerk beim Genfer François Diday.

 

Calame unternimmt unzählige Touren in den Alpen und bringt jeweils Skizzen davon nach Hause. Von Felsen, Bächen, Bäumen, Bergstürzen und Tälern. Ab diesen Vorlagen komponiert er dramatische Gemälde von eindrücklicher Stimmung – es sind aber allesamt seine eigenen Visionen und keine realistischen Darstellungen.

 

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könig

Franz Niklaus
König (1765-
1832). Tellskapelle am Vierwaldstätter-
see, 1810.
Kunstmuseum Bern.

 

Franz Niklaus König (1765-1832).

Der Berner ist eigentlich ein Genre- und Portrait-Maler. Beträchtlichen Erfolg hat er mit seinen Transparentbildern, die er auf Reisen gegen Eintrittsgeld vorführt. Dabei handelt es sich um Papierbilder, die von hinten beleuchtet werden und wie Diapositive leuchtende Farben erzeugen, die für eindrückliche Stimmungen sorgen – wie hier auf diesem Sujet des Vierwaldstättersees mit der Tellskapelle.

ulrich

Johann Jakob
Ulrich (1798-
1877). Brennen-
des Dampfschiff
auf stürmischer
See, 1850-53.
Privatsammlung.

Johann Jakob Ulrich (1798-1877).

Geboren in Andelfingen ZH, zieht er 1822 nach Paris und arbeitet dort im Atelier von Jean-Victor Bertin – zusammen mit Camille Corot. Er reist viel – vornehmlich in Italien und England. 1830 lässt er sich in Zürich nieder und unterrichtet Schüler, darunter auch >Rudolf Koller. 1855 wird er Professor am Polytechnikum Zürich.

 

Sein dramatisches Bild des brennenden Schiffes auf stürmischer See erinnert an Werke von William Turner.

 

robert

Léopold Robert (1794-1835). Frau aus Ischia, über den Schiffbruch
ihres Mannes verzweifelt, 1828. Musée d'Art et d'Histoire, Neuchâtel.

 

Léopold Robert (1794-1835).

Er stammt aus La Chaux-de-Fonds. Bekannt ist er vor allem für seine Genremalerei.

 

Das Handwerk lernt er bei >Jacques-Louis David in Paris. Viele seiner Werke entstehen in Neapel, wo er sich ab 1822 längere Zeit aufhält. 

 

1832 lässt er sich in Venedig nieder, wo er sich in die Prinzessin Charlotte Bonaparte verliebt (eine Tochter des ältesten Bruders von Napoleon, Joseph, den Napoleon zum König von Neapel ernannt hatte). Die Beziehung verläuft aber unglücklich, und aus Liebeskummer nimmt sich Léopold Robert 1835 in Venedig das Leben.

 

gleyre

Charles Gleyre (1806-1874). Die römischen Briganten, 1831. Musée du Louvre, Paris.

Charles Gleyre (1806-1874).

Der Waadtländer ist auch in Rom tätig. Dort trifft er auf seinen Schweizer Kollegen Léopold Robert, der sich mit Briganten-Szenen einen Namen gemacht hat. Briganten sind Banditen, Strassenräuber.

 

1831 liefert auch Gleyre ein Werk zu diesem Thema ab: «Die römischen Briganten». Es gerät allerdings derart deftig – es zeigt eine bevorstehende Vergewaltigung –, dass es nicht ausgestellt werden kann und vorerst im Atelier des Künstlers verbleibt. Heute ist es im Louvre zu sehen.

 

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Schweizer Künstler der Romantik

 

Internationale Künstler in der Ausstellung

 

friedrich

Caspar David Friedrich (1774-1840). Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond, 1805-06. Albertina Wien.

 

Caspar David Friedrich (1774-1840).

Der berühmteste deutsche Romantiker. Im Gegensatz zu den Schweizer Malern, die mit Begeisterung die heimatliche Bergwelt darstellen, sind seine Werke oftmals von Schwermut und Melancholie geprägt. Das hat vor allem mit seiner tragischen Biographie und seinem Umfeld zu tun, das von Krankheit und Tod geprägt ist. Zudem lebt er in einer Zeit voller Kriege. Seine Wahlheimat Dresden wird mal von Napoleon, mal von den Russen, mal von den Preussen besetzt.

 

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turner

William Turner
(1775-1851). Brunnen, Vierwaldstätter-
see, 1843-44.
The Courtauld
Gallery, London.

William Turner (1775-1851).

Englands bedeutendster Romantiker. Er findet zu einem neuen Stil der Landschaftsmalerei: Nicht mehr detailgetreu, kaum noch naturalistisch, dafür mit viel Stimmung. Durch schnell gesetzte Striche, so wie dies die kommenden Impressionisten tun werden. Er ist der Zeit voraus, wird heftig für seinen neuen Malstil kritisiert. Doch er setzt sich durch, verkauft seine Werke mit Erfolg und zählt heute zu den berühmtesten Romantikern überhaupt.

 

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delacroix

Eugène Delacroix (1798-1863). Verletzter
Brigant, 1825. Kunstmuseum Basel.

 

Eugène Delacroix (1798-1863).

Er gilt als der wichtigste Vertreter der französischen Romantik und als einer der Wegbereiter des Impressionismus. Aber berühmt wird er vor allem für seine Historienbilder.

 

Mit seiner barbusigen >Marianne im Werk «La Liberté guidant le peuple» von 1830 macht er sich unsterblich. Es wird sein Meisterwerk. Delacroix schenkt mit diesem Bild den Franzosen eine frei erfundene Freiheitskämpferin: Die halbnackte und trikoloreschwingende Marianne steigt zur Nationalheldin der Französischen Republik auf.

 

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van-der-werve

Guido van der Werve (1977). Video. Everything is going to be alright, 2007. Courtesy the artist.

Guido van der Werve (1977).

Ein zeitgenössischer Beitrag für die Ausstellung. Das Video zeigt den Fussmarsch des Künstlers auf einer endlosen Eisfläche des Bottinischen Meerbusens in Finnland. Hinter ihm pflügt sich ein gewaltiger Eisbrecher durchs Eis und zerstört symbolisch seine eben gelegte Fussspur. Ein eindrückliches Werk des niederländischen Künstlers.

 

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Internationale Künstler

 

   
   

 

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