Eugène Delacroix (1798-1863).


Delacroix erlebt eine sehr interessante Epoche. Sein Vater war Mitglied der Revolutionsregierung und sogar Aussenminister. Eigentlich hätte der junge Delacroix Literatur studieren wollen, doch dann verbringt er seine Ferien in einem Kloster in der Normandie und entdeckt dort seine Begeisterung fürs Malen.

 

Im jugendlichen Alter schaut er >Théodore Géricault zu, wie dieser an seinem Werk «Das Floss der Medusa» arbeitet – und will etwas ähnliches erschaffen. Aus Dante Alighieris «Göttlicher Komödie» wählt er die Szene mit der Barke aus, mit der die Dichter Vergil und Dante über den Fluss der Verdammten gebracht werden. Er kann das Bild 1822 am Pariser Salon ausstellen und hat Erfolg damit.

 

Mit seinem eigenen Malstil ist er aber noch nicht zufrieden. Er möchte wie Turner den Farbwerten den Vorrang geben und nähert sich nach und nach dem Stil der Romantiker. Je nach Thema bereitet er auf der Palette die Farben vor und kann so den Charakter des Werks beeinflussen.

 

Delacroix gilt als einer der Wegbereiter des Impressionismus.

 

 

dleacroix

Eugène Delacroix.

Von Hippolyte-Charles Gaultron
(1810-1878), nach einem Selbstporträt
von Delacroix, 1842.

 

 

 

Mit seiner barbusigen Marianne und dem Werk «La Liberté guidant le peuple» von 1830 macht er sich unsterblich. Wer an Delacroix denkt, sieht fast schon automatisch die Trikolore schwingende Marianne. Sie ist heute zum nationalen Symbol der Franzosen geworden.

 

Delacroix wird mit grossen Ehren bedacht. An der Weltausstellung 1855 widmet man ihm eine Retrospektive, er bekommt die Grand Médaille d'Honneur und wird zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Zudem nimmt man ihn als Mitglied der Ecole des Beaux-Arts auf.

 

Eugène Delacroix stirbt 1863 an einer
chronischen Halserkrankung.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Eugène Delacroix (1798-1863).

La liberté guidant le peuple, 1830.
Musée du Louvre Paris.

 

 

 

>Musée Delacroix, Paris

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Dante-Barke, Dante und Virgil in der Hölle, 1822. Musée du Louvre Paris.

1822: Die Dante-Barke.

Der junge Delacroix ist beeindruckt von Thédore Géricaults >Floss der Medusa (im Louvre) und malt daraufhin die Barke, welche die Dichter Dante und Vergil über den Fluss der Verdammten in die Höllenstadt Dis bringen soll (aus Dante Alighieris >Göttliche Komödie). Er gibt das Werk 1822 an den Salon zur alljährlichen Kunstausstellung – es kommt sehr gut an. Der französische Staat erwirbt das Bild und lässt es im Palais du Luxembourg aufhängen.

 

tod-sardanale

La Mort de
Sardanapale,
1827. Musée
Delacroix Paris.

1827: Der Tod des Sardanapal.

Er malt es für den Pariser Salon 1827/28 und erntet damit öffentliche Empörung. Der Skandal ist so gross, dass er lange keine Bilder mehr verkaufen kann – erst nach seiner Marianne (La Liberté guidant le peuple) von 1830 kommt er wieder ins Geschäft.

 

Und wer ist überhaupt Sardanapal? Ein assyrischer König, der seine Stadt heldenhaft, aber erfolglos gegen einen mächtigen Feind verteidigt, sich schliesslich in seinen Palast zurückzieht, dort einen Scheiterhaufen errichtet und sich samt seinen Dienern und Konkubinen den Flammen preisgibt.

 

 

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La liberté guidant le peuple, 1830.
Musée du Louvre Paris.

 

1830: La Liberté guidant le peuple.

Delacroix' Meisterwerk. Mit diesem Gemälde macht er sich unsterblich. Es zeigt eine (fiktive) Szene aus der Julirevolution von 1830, als das Volk gegen König Charles X aufstand, weil dieser das Parlament auflösen wollte. Man ging auf die «Barrikaden» (mit Fässern=barriques errichtet, daher leitet sich auch der Name ab).

 

Delacroix schenkt mit diesem Bild dem Volk eine erfundene Freiheitskämpferin: Die barbusige und trikoloreschwingende Marianne, die damit zur Nationalfigur der Französischen Republik wird. Das Ölgemälde von 3.25 auf 2.6 Meter Grösse hängt im Louvre und ist dort ein Publikumsmagnet.

 

 

 

mirabeau

Mirabeau devant
Dreux-Brézé le
23 juin 1789).
1831. Musée
Delacroix Paris.

 

1831: Mirabeau devant Dreux-Brézé.

Noch ein grosser Moment der französischen Geschichte. Am 23. Juni 1789 erteilt König Louis XVI via Dreux-Brézé den Volksvertretern den Befehl, das Parlament zu verlassen.

 

Der Abgeordnete Mirabeau antwortet mit dem legendären Satz: «Allez dire à votre maître que nous sommes ici par la volonté du peuple et n’en sortirons que par la force des baïonnettes.»

 

femmes d'alger

Les femmes d'
alger, 1834. Musée Delacroix, Paris.

1834: Les Femmes d'alger.

Ob Delacroix je Zutritt zu einem orientalischen Harem hatte, weiss niemand so genau. Es könnte auch nur eine Männerfantasie sein. Die offenbar König Philippe I teilte, denn er kaufte das Bild und schenkte es dem Musée de Luxembourg.

 

Auch Auguste Renoir muss davon begeistert gewesen sein, er nannte es «le plus beau tableau du monde». Und Picasso kupferte das Sujet ab und malte es auf seine Weise >mehr

 

see-genezareth

Christus auf dem See Genezareth, 1853. Bührle.

 

1853: Christus auf dem See Genezareth.

Dieses biblische Motiv – es zeigt, wie Christus seine Jünger beruhigt, die sich vor dem Sturm fürchten – wurde schon 1633 von Rembrandt behandelt. Aber sein Werk wurde 1990 aus einem Museum in Boston gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht.

 

Diese Version gehört zur Sammlung Bührle Zürich.

löwenjagd

Chasse aux lions, 1861. Kunstmuseum St.Gallen.

1861: Die Löwenjagd.

Dieses dramatische Spätwerk des Künstlers – entstanden zwei Jahre vor seinem Tod – ist ebenfalls in der Schweiz zu sehen: Es gehört dem Kunstmuseum St. Gallen und ist eine Schenkung aus dem Vermächtnis von Emma Lina Hendel. Es kam erst 1999 nach St. Gallen.

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Fotos: Werke von Delacroix

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Fotos: Werke im Musée Delacroix, Paris

 

>Musée Delacroix, Paris

   
   
   

 

 

 

 

 

 

 

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