Was für ein Schmuckstück von Museum!
Und so wenig bekannt, dass man es schon fast als Geheimtipp bezeichnen muss. Nicht nur die Gemäldesammlung beeindruckt, sondern auch das Anwesen selbst. Die prächtige Jugendstil-Villa in Baden gibt einen hoch interessanten Einblick in den damaligen Lebensstil einer wohlhabenden Industriellenfamilie wie die Brown-Sulzer es waren.
Jenny Brown, die treibende Kraft für die
Kunstsammlung. Gemälde «In der Hängematte»,
1911. Von Peter Koch (1874-1956).
Museum Langmatt Baden.
Das Kürzel BBC ist heute noch ein Begriff. Hinter dem Doppel-B standen die Firmengründer Brown und Boveri, die den Konzern für Elektrotechnik 1891 ins Leben riefen. Er wurde zu einer Firma von Weltruf und heisst heute ABB. Der Besitzer der Villa Langmatt – Sidney Brown (1865-1941) – war ein Bruder des Firmengründers. In der BBC war er technischer Leiter und Delegierter des Verwaltungsrates.
Das Museum musste von 2024 bis Mai 2026 umfassend saniert werden und war in dieser Zeit geschlossen. Die Sammlung war aber trotzdem zu sehen – in diversen Ausstellungen. So in der Fondation de l'Hermitage in Lausanne, in Köln im Wallraf-Richartz-Museum und in Wien im Belvedere. Rund 300'000 Eintritte waren zu verzeichnen.
Die Sanierung des Museums 2024 war nötig, weil Gebäude und Infrastruktur in die Jahre gekommen waren. Im Zuge der Arbeiten entstanden auch ein neuer Eingangsbereich und ein Glaspavillon (für private Anlässe). Im Mai 2026 konnte das Museum neu eröffnet werden.
An der Finanzierung der Sanierung (Kosten rund 20 Mio Franken) beteiligten sich die Stadt Baden mit 10 Mio und der Kanton Argau mit rund 6 Mio, dazu kamen Beiträge von Stiftungen und Privaten von mehr als drei Millionen. Die Badener Stimmbevölkerung hatte dem städtischen Beitrag am 18. Juni 2023 mit 79% Prozent Ja-Stimmen zugesagt.
Damit war aber die Sammlung noch nicht gesichert. Für deren künftige Finanzierung war eine ausserordentliche Entscheidung nötig: Der Verkauf von drei Gemälden aus der Sammlung. Über das Auktionshaus Christie's in New York wurden 2023 drei Gemälde von Paul Cézanne verkauft – für insgesamt rund 40 Mio Franken. Mit diesem Schritt wird die langfristige Sicherung der Sammlung und des Museums ermöglicht.
Diese drei Gemälde aus der Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown wurden veräussert:
Paul Cézanne (1839-1906). Fruits et pot de
gingembre. Christie's New York, 2023 verkauft
für 38.9 Mio USD.
Paul Cézanne (1839-1916). Quatre pommes
et un couteau. Christie's New York, verkauft
2023 für 10.4 Mio USD.
Paul Cézanne (1839-1906). La mer à
l'Estaque. Christie's New York, verkauft
2023 für 3.19 Mio USD.
Museum Langmatt
Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown
Römerstrasse 30, 5401 Baden
Di bis Fr 14.00 - 17.00 h
Sa-So 11.00 - 17.00 Uhr
>Website Museum Langmatt Baden
Ttelbild (Ausschnitt)
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919).
Das Boot, 1878. Öl auf Leinwand.
Museum Langmatt Baden.
Alice Boner (1889-1981),
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Die Villa Langmatt Baden
Sie wurde 1899-1901 für das Sammler-Ehepaar Sidney und Jenny Brown-Sulzer auf dem Grundstück «lange Matte» erbaut. Der Badener Architekt Karl Moser (>Kunsthaus Zürich) vereinte diverse Stile – englisches Landhaus und deutscher Jugendstil – und verpasste der Villa eine damals hochmoderne Haustechnik. Das Bad ist noch heute vollständig erhalten und kann besichtigt werden.
1906 kam eine spezielle Bildergalerie dazu. Die erste ihrer Art in der Schweiz und richtungsweisend für viele Museen.
Im Park steht eine Marmorstatue von Alice Boner (1889-1981): «Die Schreitende».
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Das Sammler-Ehepaar Sidney und Jenny Brown-Sulzer. Das Foto aus dem Jahr 1905 zeigt das Paar mit den Söhnen Sidney, John und Harry.
Eugène Boudin (1824-1898). Wäscherinnen am Ufer der Touques, 1895. |
Die Sammlerfamilie Brown-Sulzer
Treibende Kraft für die Kunstsammlung war die Ehefrau von Sidney Brown, Jenny Brown-Sulzer (1871-1968). Jenny Sulzer war die Tochter des Firmenchefs der Winterthurer Sulzer AG.
Zu Kunstsammlern wurden die beiden, als sie auf ihrer Hochzeitsreise nach Paris, 1896, zwei Gemälde von Eugène Boudin kauften. Schon bald begannen sie, ihre Kunstsammlung aufzubauen.
Ab 1908 liessen sie sich vom Winterthurer Maler und Kunstvermittler Carl Montag (1880-1956) beraten und erwarben in Pariser Galerien und Sammlungen nach und nach Gemälde von Künstlern wie Gauguin, Renoir, Pissarro, Monet, Sisley und Cézanne. So entstand eine der ersten Sammlungen von französischen Impressionisten in der Schweiz.
Sidney Brown (1865-1941) war ein Bruder des BBC-Firmengründers Charles Eugene Lancelot Brown (der Mitgründer hiess Walter Boveri). In der BBC hatte Sidney die technische Leitung inne und war Delegierter des Verwaltungsrates.
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Blick in die damalige Bildergalerie.
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Stiftung und Museum
John Brown (1900-1987) starb als letzter Erbe kinderlos. Er vermachte die Villa Langmatt samt Kunstsammlung der Stadt Baden und verfügte testamentarisch, dass das Ensemble in ein Museum umgewandelt werden solle. Die Stadt Baden gründete daraufhin die Stiftung «Langmatt Sidney und Jenny Brown». 1990 konnte das Museum eröffnet und dem Publikum übergeben werden. 2024-26 wurde es saniert und im Mai 2026 wieder eröffnet.
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Aus der «Sammlung Langmatt Sidney und Jenny Brown» |
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Pierre-Auguste Renoir (1841-1919). Der Zopf, 1886-87. Museum Langmatt Baden.
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919). Nu dans un paysage, 1889. Museum Langmatt Baden. |
Eine Fundgrube für Renoir-Fans
Das kleine Museum in Baden beherbergt eine der bedeutendsten Privatsammlungen der französischen Moderne und ist im Besitz von über zwanzig (!) Werken von
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919)
«Der Zopf» aus den Jahren 1886-87. Zu dieser Zeit hat sich Renoir vom Impressionismus gelöst und malt wieder klassisch-naturalistisch.
Das Bild zeigt Susanne Valadon (1865-1938). Sie war selbst eine erfolgreiche Malerin, stand aber auch Kollegen wie Renoir oder Toulouse-Lautrec Modell. Sie ist die Mutter von Maurice Utrillo. Im >Musée de Montmarte kann ihr Zimmer besichtigt werden.
Der «Akt in Landschaft» entstand drei Jahre später, 1889. Bereits zeichnet sich der neue Stil Renoir ab – soft-verschwommen –, für den er weltberühmt geworden ist. Er malt «nach der Natur», gibt seinen Figuren aber einen weichen Touch.
>mehr über Pierre-Auguste Renoir
>Renoir-Werke im Museum Langmatt Baden
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Paul Cézanne (1839-1906)
Paul Cézanne (1839-1906). Badende, 1895-96.
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Camille Pissarro (1830-1903)
Die Erbsenernte, Eragny, 1893. Seinen Namen als Impressionist machte sich Pissarro in Paris. Geboren ist er allerdings in der Karibik: In Charlotte Amalie auf den amerikanischen Virgin Islands. Stil dieses Werkes: Pointillismus.
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Edgar Degas (1834-1917)
Weiblicher Akt, 1885-86. Der Künstler sah sich selbst eher im Realismus zuhause, versuchte sich aber auch schon mal im Impressionismus.
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Gustave Courbet (1819-1877)
«Studie eines Hundes» nennt der berühmteste Franzose unter den Naturalisten dieses Werk.
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Jean-Honoré Fragonard (1732-1806)
Junges Mädchen mit Katze, 1770. Dieses Bild brachten die Browns erst relativ spät in die Sammlung ein. In den 1920er-Jahren begannen sie, auch Kunst aus dem 18. Jahrhundert zu sammeln. Dazu gehörten auch venezianische Veduten (realistische Darstellungen von Landschaften) und französische Möbel.
>mehr über Jean-Honoré Fragonard
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Paul Gauguin (1848-1903)
«Stillleben mit Früchteschale und Zitronen», 1889-90. Dieses Gemälde stammt aus einer Zeit zwischen Gauguins Aufenthalt bei van Gogh in Arles und seiner Phase in der Südsee auf Tahiti ab 1991, wo seine berühmtesten Werke entstanden. Bilder aus der Südseezeit hat das Museum leider keine zu bieten.
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Vincent van Gogh (1853-1890)
«Moulin de la Galette, Montmartre», 1886. Das Bild entstand in der Epoche, als van Gogh noch in den Hügeln von Montmartre wohnte (später zog er dann in den Süden Frankreichs). Von dieser Mühle malte der Künstler drei Ansichten. Ob das Bild im Museum Langmatt aus seiner Hand stammt, ist nicht gesichert.
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Werke in der Sammlung Langmatt
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