Vincent van Gogh (1853-1890).


Wenn er wüsste, wie er heute als Superstar gefeiert wird – er würde sich im Grab umdrehen. Oder es nicht glauben.

 

Nichts deutet in seinem Leben darauf hin, dass er je in irgend etwas erfolgreich sein wird. Er versucht es als Kunsthändler, als Lehrer, als Wanderprediger. Und scheitert regelmässig. Er kämpft zeitlebens mit Geldsorgen und manchmal ums nackte Überleben. Auch als Maler ist er nicht erfolgreich, kann nur ein einziges Gemälde verkaufen. Erst nach seinem Tod geht die Post ab.

 

 

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Vincent van Gogh, Selbstporträt 1887.
Van Gogh Museum Amsterdam
(Vincent van Gogh Foundation).

 

Vincent van Gogh kommt 1853 in Groot-Zundert in den Niederlanden zur Welt (etwa 60 km südlich von Rotterdam). Sein Vater ist Pastor.

 

Zur Kunst gelangt er 1869 über seinen Onkel, der Teilhaber einer Kunsthandlung in Den Haag ist. Vincent wird dort als Lehrling eingestellt. Auch sein jüngerer Bruder Theo arbeitet dort ab 1872. Vincent ist kein guter Verkäufer. Man schickt ihn nach London in eine Filiale, aber auch dort erfüllt er die Erwartungen nicht.

 

1875 kehrt er zu seinen Eltern zurück, will jetzt Pastor werden. Die Aufnahme zum Theologie-Studium schafft er aber nicht – Latein und Altgriechisch sind nicht sein Ding. Also wird er Laienprediger in Brüssel. Nach drei Monaten befindet man, er sei dazu nicht geeignet.

 

Um 1880 herum entscheidet er sich, Maler zu werden. Seine ersten Werke sind geprägt von Bauernszenen, deren einfaches und strapaziöses Leben er malt – in düsteren Farben. Jean-François Millet ist sein Vorbild.

 

1886 übersiedelt van Gogh nach Paris, wo er zunächst bei seinem Bruder Theo lebt. Er kommt mit dem neuen Stil der >Impressionisten in Kontakt, lernt die hellen Farben kennen, entdeckt den >Divisionismus und den Pointillismus. In Paris bekommt er Probleme, man verbietet ihm das Malen auf der Strasse.

 

1888 zieht er in den Süden Frankreichs, nach Arles. Im berühmten «Gelben Haus» an der Place Lamartine mietet er vier Zimmer. Dort möchte er ein «Atelier des Südens» einrichten, in das er weitere Künstler einladen will. Aber nur einer folgt seinem Ruf: Paul Gauguin. Die Künstlerfreundschaft funktioniert aber nicht.
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Van Goghs Gesundheit ist angeschlagen. Er glaubt, er hätte den Verstand verloren. 1889 lässt er sich in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy einweisen.

 

Er malt aber immer weiter, es entstehen Werke wie «Sternennacht», «Schwertlilie», «Zypressen» – heute hunderte Millonen wert. Damals unverkäuflich, obwohl sich sein Bruder in Paris um den Verkauf bemüht. Ein einziges Bild findet einen Käufer: «Die roten Weingärten von Arles».

 

Im Mai 1890 fährt er zu seinem Bruder nach Paris und weiter nach Auvers-sur-Oise. In seinen letzten siebzig Tagen ist er extrem produktiv – es entstehen 75 Gemälde und 60 Zeichnungen.

 

Was dann am 27. Juli 1890 genau passiert, ist bis heute unklar. Ist es Selbstmord, ist es ein Unfall? Jedenfalls schiesst sich der Künstler eine Kugel in die Brust (oder Bauch, je nach Quelle) und verstirbt zwei Tage danach in Auvers. Dort ist er auch beerdigt, an der Seite seines Bruders Theo, der ihn nur um ein halbes Jahr überlebt.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Vincent van Gogh (1853-1890).
The Sower, 1888. Van Gogh Museum Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation).

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Der Sähmann, 1881. Van Gogh Museum, Amsterdam.

 

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Millets Sähmann, 1850. Museum of Fine Arts, Boston.

 

1881: Sein Vorbild – François Millet.

Mit 27 entschliesst sich van Gogh, Künstler zu werden. Seine ersten Arbeiten sind Studien und Kopien seines Idols:

 

François Millet (1814-1875). Der ist ein französischer Maler des Realismus und gehört der Schule von Barbizon an, die sich am Rande von Paris bei Fontainebleau gebildet hat. Millets Markenzeichen sind Szenen der bäuerlichen Arbeitswelt. Seine Werke zeigen in realistischem Stil das beschwerliche Leben der Bauern. Die Bilder kommen gut an. Sogar am Salon von Paris kann Millet seine Werke ausstellen. Und auch verkaufen – Millet ist einer der wenigen Maler jener Zeit, die von ihrer Kunst leben können.

 

Auch van Gogh widmet sich nun dem bäuerlichen Thema und erstellt massenhaft Skizzen und Studien von Millets Werken. Besonders sein Sähmann hat es ihm angetan, er kopiert ihn noch und noch, bis er seinen Schwung im Griff hat.

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The Potato
Eaters, 1885.
Van Gogh Museum
Amsterdam.

1885: Die Kartoffelesser.

Mit diesem Gemälde – heute weltberühmt – will van Gogh in die Fussstapfen seines Vorbildes Millet treten und das harte Bauernleben dokumentieren. Aber das Bild kommt schlecht an. Man wirft dem Künstler vor, dass es technisch nicht perfekt und zu dunkel geraten sei. Und dass die Anatomie der Figuren nicht stimme. Van Gogh ist desillusioniert und zieht nach Paris.

 

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Blick aus Vincent's Studio Paris, 1886. Van Gogh Museum Amsterdam.

1886: Neue Horizonte in Paris.

In der quirligen Grossstadt kommt er von seinen bäuerlichen Szenen weg und entdeckt das Licht und die Farben. Und vor allem der Kontakt zu den Impressionisten und Pointillisten erweitert seinen künstlerischen Horizont.

 

Seine Werke werden heller, farbiger und zeigen erstmals seinen später berühmten Strich.

 

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Gladiolen, 1886. Van Gogh Museum Amsterdam.

1886: Schluss mit Realismus.

Van Goghs Stil verändert sich nun komplett. Inspiriert durch die >Divisionisten entwickelt er seinen eigenen Malstil:

 

Mit groben Pinselstrichen und dick aufgetragener Farbe. Nun werden seine Gemälde bunt und leuchtend. Seine «Vase mit Gladiolen und chinesischen Astern» von 1886 ist ein gutes Beispiel dafür.

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Der Sähmann, 1888. Van Gogh Museum Amsterdam.

 

1888: Die fröhlichen Bauern des Südens.

Als man ihm in Paris das Malen auf der Strasse verbietet, zieht er in den Süden – nach Arles. Dort findet er zu «seinem» Bauernleben zurück. Und wieder malt er einen Sähmann, aber diesmal nicht mehr düster und traurig, sondern im Sonnenlicht. Und jetzt in seinem eigenen Stil: grobe Striche und knallige Farben.

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Sunflowers, 1889. Van Gogh Museum Amsterdam.

 

1889: Die berühmten Sonnenblumen.

In Arles malt van Gogh wie ein Besessener Sonnenblumen. Es heisst, er wollte damit Paul Gauguin beeindrucken. Mit >Gauguin wohnt und arbeitet er ein paar Wochen im «gelben Haus» von Arles, wo ein Künstlergemeinschaft geplant war, die aber nicht zustande kommt.

 

Im Gegenteil: Er und Gauguin geraten sich in die Haare, es kommt zum Streit. Van Gogh schneidet sich einen Teil seines rechten Ohres ab...
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Selfportrait with a bandaged ear, 1889. Courtauld Gallery London.

 

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The Starry Night, 1889. Houston Museum of Fine Arts.

 

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Die roten
Weingärten von Arles, 1888. Pushkin Museum Moskau.

 

 

1889: Das Selfie mit verbundenem Ohr.

Von diesem Motiv malt der Künstler mehrere Versionen – eine davon gibt es auch im Kunsthaus Zürich zu sehen. Die Verletzung am Ohr und der damit verbundene Blutverlust schwächen den Künstler. Zudem glaubt er, dass er den Verstand verloren hat und lässt sich in eine Psychiatrische Klinik einweisen.

 

Trotzdem malt er weiter. Es enstehen Werke, die heute weltberühmt sind, wie zum Beispiel die Sternennacht, die «Starry Night». Um diese im Original zu sehen, müsste man in die USA reisen, nach Houston/Texas. Kaum abzuschätzen, wieviele Millionen Dollars dieses Werk heute wert ist.

 

Der Künstler selbst hat davon nichts. Obwohl sein Bruder in Paris alles tut, um seine Bilder zu verkaufen, bleibt der Erfolg aus. Die Zeit ist einfach noch nicht reif für diese Art von Malerei.

 

Ein einziges Bild lässt sich verkaufen: Es sind die «Roten Weingärten von Arles». Das Bild ensteht im November 1889 – der Künstler kann nicht draussen arbeiten und malt es aus dem Gedächtnis im Atelier. Es ist ein Meisterwerk der Farbe. Und das einzige, das er zu seinen Lebzeiten verkaufen kann. Erworben wird es von Anna Boch, der Schwester eines Freundes des Künstlers, der ebenfalls Maler war. Es soll 400 Francs gebracht haben. Heute ist es im Besitz des Puschkin-Museums Moskau.

 

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Fotos / Diashow

 

>van Gogh und Gauguin in Arles

 

>Fondation Vincent Van Gogh, Arles

 

>Van Gogh Museum, Amsterdam

 

   

 

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