Jesus – die historische Figur


Dass Jesus gelebt hat, steht ausser Zweifel. Man weiss nur nicht genau, wann das war. Die historischen Quellen sind rar – nicht einmal sein Geburtsjahr ist belegt, sein Geburtstag unbekannt. Aus der Bibel wissen wir, dass er in Bethlehem zur Welt gekommen ist.

 

>mehr über die (biblische) Geburt Jesu

 

Jesus wuchs im galiläischen Nazareth auf. Arbeit zu finden war schwierig hier, also zog er ein paar Kilometer nordwärts in eine eben im Entstehen begriffene neue Stadt: Sepphoris. Von hier aus regierte der Römer Herodes Antipas (20 v. Chr. bis 39 n. Chr) über Galiläa. Er baute Sepphoris zu seiner neuen Hauptstadt auf. Wahrscheinlich arbeitete Jesus dort als Handwerker am Aufbau der Stadt mit.

 

Die Galiläer litten unter der Besatzung und der Herrschaft der Römer. Es gärte im Volk, man verlangte Reformen. Einer der Anführer dieser Bewegungen war Johannes der Täufer. Er predigte aber nicht nur gegen die Römer, sondern kündigte am Ufer des Jordans und in der Wüste auch das Kommen eines Gottesreiches an. Jesus schloss sich dieser Bewegung an und liess sich von Johannes taufen.

 

Herodes Antipas passten diese Reformbewegungen nicht, er befürchtete, dass daraus Volksaufstände entstehen könnten. Gemäss dem jüdischen Historiker Josephus Flavius (37-100 n. Chr) liess Herodes Johannes aus politischen Gründen verhaften, einkerkern und hinrichten (gemäss biblischer Darstellung ist es Salome, die den Kopf Johannes' fordert).

 

>mehr über Salome und Johannes

 

 

caravaggio

Caravaggio (1571-1610). Salome receives
the Head of John the Baptist, 1609-10.
National Gallery London.

 

 

Die Tötung Johannes' musste in Jesus ein Gefühl von Wut und Feuer ausgelöst haben. Ob er sich – wie die Bibel das sagt – vierzig Tage in die Wüste zurückzog, ist nicht gesichert. Aber dass er nach Johannes' Tod Anführer dieser Gruppe wurde. Nun kündigte Jesus seinerseits das Gottesreich an, wurde zum Wanderprediger, zog an den See Genezareth und predigte zu den Fischern. Hier traf er auch auf Petrus.

 

Gleichgesinnte Männer schlossen sich ihm an. Gemäss Bibel sind es die >zwölf Apostel. Sie zogen durch ganz Galiläa und verkündeten die neue Lehre. Laut Bibel vollbrachte Jesus auf dieser Reise zahlreiche Wunder. Die katholische Kirche spricht von >sieben Zeichen (=Wunder).

 

In seiner «Bergpredigt» am See Genezareth verkündete Jesus Sätze wie «Liebt eure Feinde» oder «Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar».

 

War Jesus also durch und durch Pazifist? Wohl eher nicht, denn er konnte auch anders: In Matthäus 10,35 sagt er: «Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen (...) sondern das Schwert.»

 

 

bellini

Giovanni Bellini (1430-1516).
Le Christ Benissant, 1465-1470.

Musée du Louvre, Paris.

 

 

War Jesus ein Rabbi? Jesus soll sich schon als Zwölfjähriger intensiv für den jüdischen Tanach (=das Alte Testament) interessiert haben und sehr belesen gewesen sein. Er soll sich auch mit dessen Auslegung befasst haben. Als Wanderprediger wurde er von seinen Zeitgenossen als Lehrer verstanden und auch so benannt: «Rabbi» – was in seiner Urbedeutung «mein Lehrer» heisst.

 

Die Zeit, in der Jesus als Wanderprediger und Verkünder des Gottesreiches unterwegs war, ist kürzer als man denkt: Sie dauerte nur etwa ein Jahr. Historiker platzieren diese Epoche auf etwa 30 n. Chr. In diese Phase fällt auch die wichtigste Predigt Jesus': die Bergpredigt.

 

Jesus hielt sich allerdings nicht immer an seine eigenen friedliebenden Ratschläge. Er konnte auch angriffig sein und attackierte nicht nur die römischen Besatzer, sondern auch die jüdischen Schriftgelehrten und die Pharisäer. Diesen warf er Scheinheiligkeit vor und nannte sie eine Schlangenbrut. Den Hohepriestern wurde das langsam zu viel. Als sich dann Jesus auch noch als Messias deklarierte, war das Mass voll. Nun trat auch noch das politische Rom in Aktion und verfolgte diesen selbsternannten «König der Juden». Schliesslich wurde er gefasst, gefoltert und gekreuzigt. Der Rest ist bekannt.

 

Dass die Römer mit der brutalen Hinrichtungsart – die Kreuzigung – Jesus als Märtyrer aufbauten und damit den Weg frei machten für eine neue Weltreligion, ahnten sie wohl damals nicht. Denn erst nach Jesu' Märtyrertod nahm die christliche Bewegung so richtig Fahrt auf.

 

Schliesslich bekannte sich sogar das römische Reich zum Christentum und Rom wurde – was für eine Ironie – zum mächtigsten Zentrum der Christenwelt und Sitz der Päpste.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Giovanni Bellini (aktiv 1459-1516).

The Dead Christ supported by Angels, 1465.

National Gallery London.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Guido Reni (1575-1642). Josef und Christus, 1640. Museum of Fine Arts Houston.

 

 

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Meister der Darmstädter Passion
(1450-1480). Begegnung von Joachim und Anna an der Goldenen Pforte, 1460. Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

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Peter Paul Rubens
(1577-1640). Maria und die unbefleckte Empfängnis, 1628. Museo del Prado, Madrid.

 

Wer waren Jesus' Eltern und Grosseltern?

 

Wer Jesus' Eltern sind, weiss jedes Kind: Maria und Josef (auch wenn Josef nicht der leibliche Vater sein soll, sondern der heilige Geist).

 

Wer aber sind seine Grosseltern? Historisch ist die Geschichte nicht belegt – sie kommt in der Bibel vor. Die Grosseltern heissen Joachim und Anna. Das Paar war zunächst kinderlos – was zu jener Zeit ein No-go war. Joachim wurde der Zugang zum Tempel verwehrt, weil Kinderlosigkeit als Zeichen dafür galt, dass Gott ihn nicht liebte. Joachim, ein frommer und reicher Mann, wollte Geld für die Armen spenden. Weil er aber kinderlos war, verweigerte ihm der Hohepriester seine Spenden.

 

Joachim zog sich für 40 Tage in die Wüste zurück, meditierte und fastete. Gleichzeitig flehte seine Gattin Gott um Gnade an und versprach, ihm ihr Kind zu weihen. Nach 40 Tagen erschien ein Engel und kündigte den beiden die Geburt eines Kindes an: Maria – die spätere Mutter Jesu. Wie versprochen, wurde es Gott geweiht. Zu ihrem dritten Geburtstag wurde Maria von ihren Eltern Anna und Joachim zum Tempel von Jerusalem gebracht. Dort sollte sie für den Tempeldienst ausgebildet werden.

 

>mehr über Joachim und Anna

 

 

Weil damals schon «feststand», dass Maria dereinst Jesus gebären würde, hat ihr (später, im Mittelalter) die katholische Kirche die «unbefleckte Empfängnis» bescheinigt. Dabei geht es nicht – wie oft irrtümlich angenommen – um die Zeugung Jesu durch Maria und den heiligen Geist, sondern um Marias Geburt. Ein Konzil von 1439 erklärte, dass Maria niemals von der Erbsünde befleckt worden sei. 1854 wurde das in einer päpstlichen Bulle bestätigt. Mit dem Hinweis, das sei «von Gott geoffenbart und deshalb von allen Gläubigen fest und standhaft zu glauben.»

 

 

>mehr über Marias unbefleckte Empfängnis

 

 

>mehr über die Erbsünde

 

 

 

Maria

Raffael (1483-1520). La Madonna dei Garofani, 1506-1507. National Gallery London.

 

Die Zeugung Jesu durch den heiligen Geist

 

Für die Bibel ist die Sache klar: Jesus wurde vom Heiligen Geist gezeugt und von der Jungfrau Maria geboren. Josef – Marias Mann – hat also gemäss Bibel mit der Zeugung nichts zu tun.

 

Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 1,18 heisst es: «Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.» Und weiter in Kap 1,23: «Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären».

 

Das darf man glauben – oder auch nicht. Moderne Wissenschaftler äussern ihre Zweifel an der Zeugung durch den heiligen Geist. Sie stützen diese Zweifel mit dem Hinweis, dass der Matthäus-Text aus dem Alten Testament abgeleitet sei, in dem nicht von einer Jungfrau, sondern von einer «jungen Frau» die Rede ist. Erst die griechische Übersetzung des Alten Testaments habe daraus eine «Jungfrau» gemacht.

 

 

>wie ist eigentlich die Bibel entstanden?

 

 

 

sepphoris

Überreste von Sepphoris im Norden Israels, ca. 8 km nördlich Nazareth. Foto Oren Rozen, WikiCommons.

 

Jesus als Handwerker in Sepphoris

 

Jesus wuchs in Nazareth auf, doch das war eine Kleinstadt, in der kaum Arbeit zu finden war. Also zog er nach Sepphoris, das gerade im Aufbau war. Dort fand er Arbeit als Handwerker.

 

Herodes der Grosse hatte die Stadt 37 v. Chr. erobert, doch liess der römische Statthalter Varus die Stadt im Jahr 4 v. Chr. zerstören.

 

Herodes Antipas liess sie dann etwa um 30 n. Chr. wieder aufbauen. Möglicherweise hat Jesus als Handwerker am Wiederaufbau mitgewirkt.

 

Heute ist Sepphoris ein Ruinenort, während das damals unbedeutende Nazareth zu einem berühmten und vielbesuchten Touristenort geworden ist – weil hier Jesus aufwuchs.

 

 

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Piero della Francesca (1410-1492). The Baptism of Christ, 1450. National Gallery London.

 

Jesus in der Rolle von Johannes des Täufers

 

Jesus hatte sich den Täufern um den Propheten Johannes angeschlossen und wurde von Johannes getauft. Nach dessen Hinrichtung durch Herodes Antipas übernahm Jesus die Führung der Gruppe und verkündete nun seinerseits das Kommen des Gottesreiches.

 

>mehr über Johannes den Täufer

 

Als Wanderprediger zog Jesus mit seinen Anhängern (gemäss Bibel zwölf Apostel) durch ganz Galiläa, um die neue Lehre zu verkünden. Dabei soll er zahlreiche Wunder vollbracht haben.

 

 

>die sieben Zeichen (Wunder) Jesu

 

 

 

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Fra Angelico (1395-1455). Die Bergpredigt. Fresko im Kloster San Marco, Florenz.

 

Jesus' wichtigste Rede: die Bergpredigt

 

Die Bergpredigt ist wahrscheinlich die wichtigste Rede, die Jesus als Wanderprediger gehalten hat. Wo genau, ist nicht bekannt. Irgend auf einem Berg im Norden Israels.

 

Diese Predigt enthält seine berühmtesten Aussagen (wie «liebe auch deine Feinde»). Sie enthält auch das wichtigste und meist verwendete Gebet der Christen: das Vaterunser.

 

 

>mehr über die Bergpredigt

 

 

 

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Hieronymus Bosch (1450-1516). Ecce Homo, 1490. Städel Museum Frankfurt.

 

Auflehnung gegen jüdische Gebote

 

Mit den Vorschriften seiner eigenen (jüdischen) Religion hatte er seine Mühe. Er akzeptierte weder das Speiseverbot noch das Sabatgebot, verletzte das Reinheitsgebot und legte sich mit den jüdischen Schriftgelehrten und Pharisäern an. Diese schimpfte er Scheinheilige und nannte sie Schlangenbrut.

 

Das Fass zum Überlaufen brachte dann aber seine Selbsternennung zum Messias und zum König der Juden. Damit hatte er nicht nur die jüdischen Hohepriester gegen sich, sondern auch das politische Rom.

 

Was dann folgte, schildert das Johannes-Evangelium in dramatischen Worten. Wie der römische Statthalter Pontius Pilatus Jesus den wütenden Juden auslieferte...

 

 

>Ecce Homo – dem Volk vorgeführt

 

>Abendmahl, Kreuzigung, Auferstehung

 

 

 

   

 

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