Ausstellung «Panorama Schweiz – von Caspar Wolf

bis Ferdinand Hodler». Kunstmuseum Bern.
15.8.25 bis 5.7.2026.

 

 

Perlen der Schweizer Malerei
im Kunstmuseum Bern


 

Eigentlich war diese Ausstellung nur als «Begleitung»
zu >Kirchner x Kirchner gedacht – aber sie ist viel mehr als das. Erstens präsentiert sie spitzenmässiges schweizerisches Kunstschaffen über drei Jahrhunderte und zweitens spült sie Werke ans Licht, die man zwar «kennt», aber noch nie im Original gesehen hat.

 

Und drittens gibt sie eine Vorstellung, was da sonst noch alles im Depot lagern könnte, das es verdient, nach «oben» geholt und gezeigt zu werden.

 

 

Arnold Böcklin (1827-1901).

Meeresstille, 1886-87.

 

 

Annie Stebler-Hopf (1861-1918).
Abendbeleuchtung eines kleinen Sees
am Matterhorn. Ohne Datum.

 

Paul Robert (1851-1923).
L'Echo, 1878.

 

Arnold Brügger (1888-1975).
Im Park, 1918.

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild

Ernest Biéler (1863-1948).

Les feuilles mortes, 1899.

Kunstmuseum Bern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Caspar Wolf (1735-1783). Die Schwarze Lütschine, aus dem unteren Grindel-waldgletscher entspringend, 1777. Kunstmuseum Bern.

 

 

Franz Niklaus König (1765-1832). Aussicht von der Gemmeralp mit Lämmergeier, 1810. Kunstmuseum Bern.

 

 

Rudolf Koller (1828-1905). Kuh mit Kalb im Gewitter verstiegen, 1856. Kunstmuseum Bern.

 

 

 

Schweizer Alpenwelt

 

Wie es in den Alpen aussieht, weiss heute jedes Kind. Aber im 18. Jahrhundert wussten das nur ein paar Entdecker und Pioniere, die den Mut hatten, in diese unwirtlichen Gegenden vorzustossen. Einer davon war >Caspar Wolf, der in den 1770er-Jahren zu den Allerersten gehörte. In diesem Gemälde dokumentiert er die Quelle der Schwarzen Lütschine und das gewaltige Gletschertor. Die menschlichen Figuren sind daneben so winzig, dass sie kaum noch erkennbar sind.

 

Das Gemälde von Franz Niklaus König auf der Gemmeralp (Berner Oberland, nördlich Interlaken) zeigt eine vermutlich fiktive Szene mit einem Schafhirten, dem ein Lämmergeier ein Schaf aus der Herde gerissen hat. Solche dramatischen Bilder dienten der Werbung für den damals aufkeimenden Tourismus.

 

Franz Niklaus König ist auch bekannt für seine «Diaphanien». Das waren Transparentbilder mit Gebirgsmotiven in diversen Licht‑Effekten, die man den Touristen verkaufen konnte. 1815 eröffnete König in seiner Wohnung an der Marktgasse in Bern ein «Transparenten‑Kabinett», in dem er abends regelmässig Vorstellungen gab. Das Publikum zahlte Eintritt und sah die Bilder in einem abgedunkelten Raum bei Kerzen‑ oder Lampenlicht.

 

>Rudolf Koller ist der berühmteste Tiermaler der Schweiz. «Kuh mit Kalb im Gewitter verstiegen» gehört zu einer Serie aus den 1850er-Jahren, in denen der Künstler seine Tiere in dramatischer Form schwerem Wetter aussetzt. Es dürfte sich um eine Komposition handeln, die auf Plein-air-Beobachtung und Skizzen vor Ort basiert, gemalt dann später im Atelier.

 

 

Albert Anker (1831-1910). Hohes Alter II, Frau, sich aufwärmend, 1885. Kunstmuseum Bern.

Detail.

 

 

Albert Anker und das Kunstmuseum Bern

 

Bekannt ist er vor allem für seine realistischen Abbildungen des ländlichen und bäuerlichen Lebens, berühmt wird er mit seinen Kinderbildern. Im Alter von etwa fünfzig beginnt er mit einer Gruppe von Gemälden, die sich dem Älterwerden annehmen. 1885 entsteht das Ölbild «Hohes Alter II, alte Frau sich aufwärmend». Hier beweist er, dass er nicht nur ein Meister von Kinderabbildungen ist – auch Greise malt er mit bemerkenswerter Detailgenauigkeit.

 

Für das Kunstmuseum Bern ist der grosse Meister eine wichtige Person. 1874 setzte er sich in seiner Funktion als Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern vehement dafür ein, dass der Bau des Kunstmuseums zustande kam. Die Eröffnung des Museums fand am 9. August 1879 statt.

 

 

Ferdinand Hodler (1853-1918).
Die Nacht,
1889-1890. Kunst-museum Bern.

 

Im Zentrum der Künstler, der aus dem Schlaf erwacht und vor sich eine verhüllte Gestalt sieht – den Tod.
 

Ferdinand Hodler (1853-1918).
Die Nacht, 1889-1890. Detail. Kunstmuseum Bern.

 

Ferdinand Hodler – das Skandalbild

 

Noch so ein Werk, das man zwar zu kennen glaubt – aber wenn man es im Original sieht, ergibt das eine neue Dimension.

 

Primär geht es um die Todesfurcht des Künstlers. Sieben Schlafende, eingehüllt in schwarze Tücher. Im Zentrum der Künstler selbst, der erschreckt aus dem Schlaf erwacht – zwischen seinen Beinen eine verhüllte Gestalt, der Tod. Das Bild hat aber auch eine sexuelle Komponente: Es zeigt den Künstler mit zwei Frauen: unten seine Ehefrau Bertha Stucki, oben seine Geliebte Augustine Dupin.

 

Hodler malte «Die Nacht» nach einer schweren psychischen Krise und verstand das Werk explizit als autobiografische Auseinandersetzung mit Schlaf, Sexualität und Tondesfurcht.

 

1891 reichte Hodler das Gemälde für die kantonale Ausstellung der Beaux-Arts im Musée Rath in Genf ein. Das Gemälde wurde zunächst gehängt, aber am folgenden Morgen auf Befehl des Stadtpräsidenten von der Polizei entfernt. «Aus sittlichen Gründen», wie es hiess. In den eng nebeneinander lagernden nackten Männer und Frauen sahen die Behörden einen Verstoss gegen die öffentliche Moral. Das Publikum war anderer Meinung. Als Hodler das Werk später in Genf privat ausstellte, wurde es zum Schlüssel seines Erfolges. Kurz danach wurde «Die Nacht» auch in Paris ausgestellt und positiv aufgenommen. Es war Hodlers internationaler Durchbruch.

 

 

Cuno Amiet (1868-1961). Die Freude, 1918. Öl auf Leinwand, Format 215 x 145 cm. Universität Bern.

 

Cuno Amiet – die Freude

 

Die «Freude» könnte mehrere Ursachen haben. Erstens freut sich das Mädchen auf dem Bild. Zweitens freute sich der Künstler, dass er 1919 von der Universität die Ehrendoktorwürde (Dr. h.c.) bekam. Er freute sich so sehr, dass er das Gemälde der Uni als Geschenk überliess. Die Universität Bern ist also die Eigentümerin des Werkes, sie überlässt es aber dem Kunstmuseum in Dauerleihgabe.

 

Das Bild ist ein echter Hingucker. Es besteht aus harmonisch aufeinander abgestimmten Farben und gehört zu Amiets Gruppe von allegorisierenden Figurenbildern wie Freude, Hoffnung, Jungbrunnen, in denen junge Frauen Zustände wie Lebensfreude, Erwartung oder Erneuerung verkörpern.

 

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Albert Müller (1897-1926). Selbstbildnis, 1926. Kunstmuseum Bern.

 

Albert Müller – grün vor Ärger?

 

Ein interessantes Selbstbildnis. Besonders auch deshalb, weil es in seinem Todesjahr entstand. Hat sein trister Gesichtsausdruck etwas damit zu tun? Eher nicht, denn sein früher Tod kündigte sich nicht an. Er starb vielmehr plötzlich im Dezember 1926 an Typhus. Auch seine Frau erkrankte und starb daran.

 

Sein grünes Gesicht ist also künstlerischer (expressiver) Ausdruck. Und falls er Schwierigkeiten im Leben gehabt haben sollte, dann waren diese eher wirtschaftlicher Natur, als darbender Künstler. Oder ärgerte er sich vielleicht grün als Folge der Querelen, die es zwischen Kirchner und der Basler Künstlergruppe Rot-Blau gab? >mehr

 

 

 

 

Werke in der Ausstellung Panorama Schweiz

 

 

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