Giacometti – die Künstlerdynastie.


Erstaunlich, was sich im kleinen Bündner Bergdorf Stampa an künstlerischer Kraft entfalten konnte. Gleich drei Giacometti haben sich als Künstler grosse Namen gemacht: Giovanni, Augusto und Alberto. Aber da gibt es noch mehr Giacometti mit künstlerischem Hintergrund:

 

ZACCARIA GIACOMETTI (1856-1897).

Er ist der Begründer der «Künstlerdynastie» von Stampa. Sein Hauptberuf ist Primarlehrer, er ist aber auch Zeichner.

 

GIOVANNI GIACOMETTI (1868-1933).

Er ist ein Cousin von Zaccaria. Zaccaria ist aber auch verwandt mit Giovannis späterer Gattin, ANNETTA. So ist das in den kleinen Dörfern.

 

AUGUSTO GIACOMETTI (1877-1947).

Auch er hat keine direkte Linie zu Zaccaria, er ist ein Cousin von Giovanni. Stampa verlässt er schon früh und hat seinen Lebensmittelpunkt in Zürich.

 

ALBERTO GIACOMETTI (1901-1966).

Der berühmteste Giacometti ist der Sohn von
Giovanni und Annetta. Er schafft es zu internationaler Bedeutung. Seine Werke sind heute Millionen wert.

 

 

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Alberto Giacometti (1901-1966). Venedig, 1962.
Foto Paolo Monti, WikiCommons.

 

 

DIEGO GIACOMETTI (1902-1985).

Albertos jüngerer Bruder. Man kennt Diego zwar eher als Modell von Alberto (der von Diego zahllose Büsten in Gips und Bronze fertigt), aber Diego ist auch selbst künstlerisch tätig: als Bildhauer und Designer von Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Zudem hilft er Alberto bei seinen Bronzegüssen.

 

OTTILIA GIACOMETTI (1904-1937).

Albertos Schwester spielt in der Kunst eine eher passive Rolle: Sie dient Vater Giovanni und Bruder Alberto oft als Modell. Sie stirbt bei der Geburt ihres ersten Kindes (Silvio) und wird nur 33 Jahre alt.

 

>mehr über Ottilia

 

BRUNO GIACOMETTI (1907-2012).

Albertos jüngster Bruder. Er ist zwar kein wirklicher Künstler, hat aber zeitlebens mit Kunst zu tun. Sein Taufpate ist immerhin Ferdinand Hodler (!). Zwischen 1955 und 1965 beteiligt sich Bruno Giacometti – er ist studierter Architekt – an der Gestaltung mehrerer Ausstellungen im Kunsthaus Zürich. Zudem ist er massgeblich an der Gründung der Alberto Giacometti Stiftung beteiligt, die ihr Heim im Kunsthaus Zürich hat. Bruno schenkt dem Kunsthaus eine beachtliche Giacometti-Sammlung und stirbt 2012 im Alter von stolzen 104 Jahren.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Giovanni Giacometti (1868-1933).

Engadiner See, 1906-07.

Kunsthaus Zürich.

 

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Giovanni, Vater von Alberto.

 

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Gattin Annetta mit Sohn Alberto.

 

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Sohn Diego und Tochter Ottilia.

 

 

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Giovanni Giacometti (1868-1933).

 

Er kommt im graubündnerischen Stampa zur Welt und zieht mit 18 nach München, wo er Kunst studiert. Ab 1888 besucht er in Paris die Académie Julian (mit Cuno Amiet). Zurück in der Heimat wird er ab 1894 von >Giovanni Segantini gefördert. Von dessen divisionistischem Stil löst er sich nach etwa 1910 wieder und geht dann zum Post-Impressionismus über.

 

1900 heiratet er Annetta und hat mit ihr vier Kinder: Alberto (1901), Diego (1902),
Ottilia
(1904) >mehr und Bruno (1907).

 

Die Familie lebt bis 1904 im Bergdorf Borgonovo und zieht dann nach Stampa in ein Haus, desen Stall der Künstler als Atelier verwendet. Den Sommer verbringen sie meistens in Capolago bei Maloja.

 

1908 kann er in Dresden seine Werke gemeinsam mit der Künstlergruppe >die Brücke ausstellen. Der einzige Schweizer, der dieser Gruppe angehört, ist Cumo Amiet.

 

1912 zeigt das Kunsthaus Zürich eine Giovanni Giacometti Ausstellung.

 

 

 

>Fotos Werke Giovanni Giacometti

 

>Ausstellung Ottilia Giacometti, Zürich 2020

 

 

 

augusto

Augusto, Cousin von Giovanni.

 

giacomettihalle

Die Blüemlihalle
im Amthaus I.

 

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Augusto Giacometti (1877-1947).

 

Er ist ein Cousin von Giovanni und wächst neben dessen Haus in Stampa auf. Seine Ausbildung zum Zeichenlehrer holt er sich 1894-1897 an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Dann zieht er nach Paris und Florenz und lässt sich 1915 endgültig in Zürich nieder.

 

1917/18 kommt er mit den Zürcher Dadaisten in Kontakt. Er wird Mitglied der Künstlergruppe «Das neue Leben». Zu seinen bekanntesten Werken gehören die >Giacometti-Halle im Amtshaus I (die «Blüemlihalle» im Polizeiposten Uraniawache) und die Chorfenster im Grossmünster Zürich.

 

 

 

Fotos / Diashow Augusto Giacometti

 

alberto

Alberto, Sohn von Giovanni.

 

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Grosse stehende Frau III, 1960.
Museum Berggruen, Berlin.
 

 

 

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Alberto Giacometti (1901-1966).

 

Der berühmteste Giacometti, der sich auch international einen grossen Namen gemacht hat.

Seine schlanken Figuren von schreitenden Männern und stehenden Frauen sind sein Markenzeichen – mit diesen Werken katapultiert er sich in die Topliga der teuersten Künstler der Welt.

 

Sein erster Werkstoff ist Plastilin. 1890, also mit 13 – fertigt er damit seine erste Skulptur: Einen Kopf seines Bruders Diego.

 

In Paris belegt Alberto Giacometti ab 1922 Kurse in Bildhauerei. Sein Lehrer ist kein Geringerer als Antoine Bourdelle, der zunächst im Atelier von Auguste Rodin arbeitete und später an der «Académie de la Grande Chaumière» in Paris Bildhauerei unterrichtete.

 

Mit seinen feingliedrigen abstrakten Skulpturen beginnt Giacometti nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Ziel: Er will weg von der körperhaften Nachbildung – hin zu einer subjektiven Sehweise.

 

 

>mehr über Alberto Giacometti

 

 

>Fotos Sammlung Giacometti Kunsthaus Zürich

 

   
   
   
   
   

 

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