Ausstellung «Rodin/Arp»»

Fondation Beyeler Riehen-Basel 13.12.20 bis 16.5.21

 

Rodin und Arp – ein Dialog


Was für eine Glanzidee, diese beiden Bildhauergrössen gleichzeitig zu präsentieren. Zumal sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Sie sind nicht nur altersmässig durch ein halbes Jahrhundert getrennt, sie liegen auch in ihrem Schaffen Welten auseinander. Der eine bildet die Menschen in Marmor «nach der Natur» ab, der andere reduziert sie auf abstrakte Formen. Einen wirklichen «Dialog» der beiden hat es allerdings nie gegeben. Es ist nicht einmal bekannt, ob sich die beiden je begegnet sind.

 

Erst im Zusammenwirken kommen beide Könner so richtig zu Geltung – das ist der Verdienst dieser Ausstellung. Ihr Beitrag geht aber noch weiter: Rodin-Werke kann man relativ leicht im Musée Rodin in Paris betrachten, bei Arp ist das schon schwieriger, weil sie weltweit verstreut sind. Einmal mehr beweist die Fondation Beyeler, wie gut sie vernetzt ist. Es gelingt ihr, die schönsten Werke aus aller Herren Länder zusammen zu tragen, zum Teil aus Museen, von denen man nicht mal wusste, dass es sie gibt.

 

 

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Ausstellungsplakat.

 

 

Kein Wunder, kommen so Werke zum Vorschein, die man noch nie gesehen hat. Die Fondation Beyeler ist mit den Museen Arp Remagen und Rodin Paris eine Kooperation eingegangen – zum Wohle aller Kunstbegeisterten.

Und als ob das nicht genug wäre, wartet das Museum in Riehen noch mit einem spektakuläen Werk eines zeitgenössischen Künstlers auf: >Olafur Eliasson, Jahrgang 1967. Er hat dem Museum einen neuen Look verpasst, indem er es flutete.

 

Er erweiterte den Teich vor dem Haus und liess ihn direkt in die Ausstellungsräume fliessen. Die Werke, die es dort sonst zu sehen gibt, sind natürlich – und vernünftigerweise – abgehängt. Das ist okay so. «Müsste» man diese Werke auch noch alle anschauen – dafür würde die Kraft fehlen. Mit Rodin und Arp haben Augen und Sinne in dieser Ausstellung mehr als genug zu schaffen.

 

 

 

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Museum der Fondation Beyeler – unter Wasser.
Ein Werk des isländisch-dänischen Künstlers
>Olafur Eliasson (1967), der einige der Ausstellungsräume mit grüner Farbe flutete.

 

 

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Blick von drinnen nach draussen.

 

 

 

 

 

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Hans Arp (1886-1966). Ptolemäus III, 1961. Kunstmuseum Basel.

 

 

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Auguste Rodin (1840-1917).
Le penseur, 1880-82. Bronze 1896. Musée d'Art et d'Histoire, Genève.

 

 

Hans Arp (1886-1966). Ptolemäus III.

 

Mit dieser Bronzeskulptur werden die Gäste in der Fondation Beyeler empfangen. Ein abstraktes Werk von Hans Arp, das den griechischen Mathematiker und Astronom Claudius Ptolemäus darstellen soll. Der lebte etwa von 100 bis 160 n.Chr. – und der war es, der das (falsche!) geozentrische Weltbild populär machte. Und das die Päpste mehr als tausend Jahre lang verteidigten. In Arps Ptolemäus von 1961 findet sich ein besonderes Element: die Leere. Vielleicht hat er damit den Weltraum gemeint. Nur der Künstler weiss es.

 

 

Auguste Rodin (1840-1917). Le Penseur.

 

Ausgangspunkt für Rodins berühmtestes Werk war eine kleine Fassung von 1880, die als Figur für das >Höllentor bestimmt war.

 

Die Figur hätte eigentlich Dante Alighieri, den berühmten italienischen Dichter verkörpern sollen, und so hiess die Skulptur zunächst auch: «Der Dichter». Als Modell stand dem Künstler ein Preisboxer aus dem Rotlichtmilieu zur Verfügung – daher die Muskelpakete. Rodins Werk erinnert an den grossen Michelangelo. Der bildete seine Figuren auch so muskulös ab.

 

 

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Auguste Rodin (1840-1917). Paolo et Francesca dans les nuages, 1903-04. Marmor. Musée Rodin Paris.

 

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Hans Arp (1886-1966). Paolo et Francesca, 1918. Holz. Privatsammlung.

Rodin: Paolo et Francesca, 1903-04.

Auch dieses Sujet stammt vom italienischen Dichter Dante und dessen Werk «Göttliche Komödie». Es geht um eine hoch dramatische Lovestory aus dem 13. Jahrhundert. Paolo und Francesca sind ein verbotenes Liebespaar und werden vom Ehemann in flagranti ertappt – und getötet.

 

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Für Rodin war die Geschichte aber noch nicht zu Ende. In seinem Marmorwerk bildet er die zwei Liebenden auf einer Wolke ab, unsterblich.

 

 

Arp: Paolo und Francesca, 1918.

 

Auch Hans Arp hat das Drama beflügelt. Sein Werk fällt in eine Zeit, als er sich mit dem Dadaismus befasste. Er bildet nicht das Paar ab, sondern fertigt eine einfache und reduzierte Holzskulptur, die in die damalige avantgardistische Formensprache passt.

   

 

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Auguste Rodin (1840-1917). Das Eherne Zeitalter (Die Bronzezeit), 1877. Musée Rodin Paris.

 

 

 

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Hans Arp (1886-1966). Torso-Garbe, 1958. Marmor. Privatsammlung.

 

 

 

Rodins erste stehende Bronzeskulptur.

 

1877 schafft Rodin diese lebensgrosse männliche Figur. Er nennt sie «Bronzezeit», weil damit auch seine eigene Bronzezeit beginnt. Allerdings kam das Werk bei den Kritikern nicht so gut an. Man warf dem Künstler vor, einen Abguss eines lebenden Modells verwendet zu haben (!) – so naturalistisch wie die Figur des nackten Soldaten daher kam. Inzwischen wirft ihm das niemand mehr vor. Vielmehr gilt die Plastik als Meisterwerk der modernen Bildhauerei.

 

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Ein wahres Meisterwerk ist auch die Marmor-Skulptur von Hans Arp, die sich «Torso-Garbe» nennt und aus dem Jahr 1958 stammt.

 

Statt seine Figur naturalistisch abzubilden, nutzt er die künstlerische Freiheit und produziert eine abstrakte, wundervoll fliessende Gestalt mit sinnlichen Rundungen. Er konzentriert sich dabei auf den geschwungenen, fast schlangenartig tänzerischen Körper und verzichtet ganz auf Extremitäten. Auch der Kopf kommt in komplett reduzierter Form daher. Entstanden ist ein abstraktes Werk der Spitzenklasse, ganz darauf angelegt, die Sinne zu erfreuen.

 

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Hans Arp (1886-1966). Daphne, 1955. Bronze. Stiftung Arp Berlin.

Hans Arp: Daphne, 1955.

Wer kennt sie nicht, die schöne Daphne, die von Apoll begehrt wird – und die sich mit allen Tricks gegen ihn wehrt. Die Frage ist nur, wer sie in dieser Skulptur als Daphne er-kennt.

 

Das Ziel des Künstlers muss es gewesen sein, die Metamorphose bildhauerisch umzusetzen (Daphne verwandelte sich ja auf der Flucht vor Apoll in einen Baum). Es gibt Einfacheres, als das in einer abstrakten Form schlüssig zu zeigen.

 

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Auguste Rodin (1840-1917). Je suis belle, 1885. Gips. Musée Rodin, Paris.

 

Auguste Rodin: Je suis belle, 1885.

 

Eine hocherotische Plastik, die schon 1885 zu reden gab – bei so viel geballter Nacktheit, und das erst noch rundum in 3D.

 

Was wohl erst heute los wäre, im Zeitalter der Sexismus-Debatten! Wie würde wohl der Künstler zerzaust, der es wagt, einen muskulös gebauten Mann zu zeigen, wie er seine zarte Frau wie ein Spielzeug hoch hebt?

 

Vielleicht würde sich der Künstler ja damit rechtfertigen, dass es sich um ein Thema aus der griechischen Mythologie handle. Stichwort Entführung der Venus. Oder >Raub der Proserpina. Oder so was in der Art.

 

Das hatte Auguste Rodin nicht nötig, er gab seinem Werk den wohlklingenden Titel «Ich bin schön». Die Plastik fasziniert.

 

 

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