Ausstellung «Geformte Freiheit»
Galerie kunstzürichsüd, Adliswil
3. bis 26. September 2026
Die Ausstellung möchte das kreative Wechselspiel zwischen abstraktem Expressionismus und der «Art informel» aufzeigen. Was heisst «informel»? Es ist eine abstrakte Kunstform, die in den 1950er-Jahren vor allem in Paris entstand und auf Formlosigkeit, Spontaneität und gestischen Farbauftrag setzt. Anstelle von figurativer Darstellung oder geometrischer Abstraktion verfolgte sie einen extrem freiheitlichen Umgang mit Form, Farbe und Material.
Informel ist kein einheitlicher Kunststil, eher eine künstlerische Haltung, die sowohl das klassische Formprinzip als auch die geometrische Abstraktion ablehnt.
Geprägt wurde der Begriff 1951 vom französischen Kritiker Michel Tapié, der vor allem die «Bedeutsamkeit des Formlosen» hervorhob. Wörtlich übersetzt bedeutet «informel» schlicht «formlos».
Die Künstler:innen der Ausstellung in Adliswil gehen das Thema nicht wissenschaftlich an, sondern interpretieren es unbeschwert. Von naturalistisch bis expressiv abstrakt und allem, was dazwischen liegt – jede(r) nach seinem Gusto. Künstlerische Freiheit eben.
Die ausstellenden Künstler:innen:
v.l. Therese Bachmann, Ara An, Martin
Lay, Hatice Zeltner, Patrycja Koska,
Peter Weideli.
>Marcello Weiss stellt die
Künstler:innen vor
>Alle ausstellenden Künstler:innen
von A-Z ab 2025
Titelbild (Ausschnitt)
Hatice Zeltner. Die Bank auf der Brücke.
Acryl-Mischtechnik auf Leinwand.
60x60cm.
Ara An (1966)
Ara An. Erkenntnis aus der Antike – Erwache! Acryl, Ölpastell auf Leinwand. 100x80cm.
Ara An. Selbsterneuerung. Acryl, Öl, Papier, Reispapier, Blattgold, Holzspäne, Feuerasche auf Leinen. 90x70cm. |
Ara An
Die Künstlerin kommt 1966 in der bulgarischen Stadt Kazanlak am Fuss des Balkangebirges zur Welt. Ihre musische Karriere beginnt sie in einer Kindermusikschule. Im Gymnasium findet sie ihren Schwerpunkt als Konzertpianistin und fügt ein Studium an einer Akademie für Musikpädagogik an. Auch heute noch komponiert sie entspannende Klavierstücke, doch – wie sie sagt – gehört ihre Leidenschaft der Malerei. «Hier drücke ich mich am vollständigsten aus», erklärt sie.
Seit 2010 wohnt sie in der Schweiz, seit 2016 in Adliswil. Sie ist nicht nur Mitglied im Verein kunstzürichsüd, sondern arbeitet auch seit November 2025 im Gemeinschaftsatelier. Bei Walter Diem belegte sie einen Kurs in Aktzeichnen.
Mit Malen beginnt sie bereits als Siebenjährige und erhält Unterricht zuhause durch eine Privatlehrerin, später dann in der Schule. So erlernt sie bereits als Kind zahlreiche Techniken und kreative Herangehensweisen. Später nimmt sie Online-Unterricht bei amerikanischen Meister:innen und holt sich so neue Ideen, die sie in ihren eigenen Stil einfliessen lässen kann.
«Geformte Freiheit» ist ihre erste Ausstellung in Adliswil.
Ihr Statement 'abstrakt, gestisch, symbolisch' kommt im Werk «Erkenntnis aus der Antike – Erwache!» sehr gut rüber. Durch einen stark pastösen Farbauftrag verleiht die Künstlerin diesem Bild eine besondere Dynamik. Es scheint zu leben. Als ob es den Titel-Befehl «Erwache!» verstanden und umgesetzt hätte.
Neben Acryl verarbeitet Ara An auch gerne Öl, Pastell, Gouache, Graphit, Kohle, Aquarell und Mixed Media. Und wie das Werk «Selbsterneuerung» zeigt, sogar Blattgold, Reispapier, Holzspäne und Feuerasche. Ihre Palette ist mehr als reich bestückt.
>weitere Werke von Ara An (PDF)
>mehr auf Instagram: ara_an_paintings
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Therese Bachmann (1945)
Therese Bachmann. Feuer 2. Acryl, LW-Streifen, Fotos. 30x30cm.
Therese Bachmann. Flusslauf 1 und 2. Acryl, Collage, Alu-Dibond. Je 47x60cm.
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Therese Bachmann
Künstlerisch ist sie in Fotografie und Malerei unterwegs – höchst vielseitig. Das kommt in ihren ausgestellten Werken gut zum Ausdruck, denn viele sind Kombinationen aus Fotografie und Malerei. Malen und Zeichnen lernte die 1945 in Zürich geborene Künstlerin einst in einer Migros-Kunstklasse, die Fotografie hat sie in ihrem Blut.
Das Ausstellungsthema «Geformte Freiheit» kommt ihrem Charakter sehr entgegen. Sie sprüht nur so von Ideen und belebt die Ausstellung mit Werken, die man in dieser Form noch nicht gesehen hat. Zum Beispiel die Serie aus farbkräftigen «Plättchen» (die aber keine sind, sondern raffiniert übereinander gewobene Streifen) Feuer/Galaxy/Erde/Wasser – ein echter Hingucker. Auch hier ergänzt sie die Malerei mit kleinen Fotografien.
Und in den beiden Bildern «Flusslauf 1 und 2» zeigt sie auf, wie man die «Geformte Freiheit» noch weiter gehend interpretieren könnte: als Freiheit, die Formen beliebig zu verändern. Dafür verwendet sie als Ausgangswerk eine leicht abstrakt dargestellte Landschaft (eher abstrahiert als abstrakt) und verfremdet die Form noch einmal, indem sie die Berge und den Fluss in Farbflächen aufteilt. Fast ein bisschen kubistisch, aber doch nicht kubenförmig - und immer noch so, dass die Landschaft und der Fluss gut erkennbar bleiben. Das passt zu ihr. Sie sagt: «Meine Interpretationen bleiben immer bis zu einem gewissen Grad gegenständlich».
Nein, Therese Bachmann gehen die Ideen nicht aus. Zu ihren ausgestellten Werken gehören auch noch eindrückliche Fotodrucke (Feuer 3) und Gemälde von Galaxien. In einer Version ist der grosse Bär zu erkennen, in einer anderen lässt die Künstlerin ihrer Fantasie freien Lauf und erfindet kurzerhand ihre eigene Galaxie. «Unknown» nennt sie sie.
>weitere Werke von Therese Bachmann (PDF)
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Patrycja Koska(1999)
Patrycja Koska. Windmühlen.
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Patrycja Koska
Die als Architektin in der Schweiz tätige Freizeitkünstlerin kam 1999 in Polen zur Welt und studierte an der Technischen Universität in Wrocław (ehemals Breslau) Architektur und Städtebau. In ihrer Kindheit und im familiären Umfeld war Kunst kein grosses Thema, aber sie zeichnete schon als Mädchen gerne. Als sie dann für die Aufnahmeprüfung zum Architekturstudium einen Vorbereitungskurs im Zeichnen absolvieren musste, sprang der Funken über.
Mit Ölmalerei kam sie schon in der Oberschule in Kontakt, die Technik dazu brachte sie sich dann später selbst bei. Patrycja wohnt in Adliswil ist seit 2025 Mitglied im Verein kunstzürichsüd.
Öl war immer ihr Lieblingsmedium und ist es bis heute. Da sie als Architektin Vollzeit arbeitet, findet bei ihr die Malerei vor allem an Wochenenden statt – sie ist also eine echte Freizeit-Künstlerin. Dabei orientiert sie sich gerne bei den Alten Meistern und deren Gemälden, die die Natur abbilden.
In der Ausstellung in Adliswil «Geformte Freiheit» präsentiert sie ausschliesslich klassisch-naturalistische Werke, die die Schönheit der Natur sowie ihre positive Wirkung auf den Menschen sichtbar machen sollen. Diese positive Wirkung hat die Künstlerin selbst persönlich erlebt, ist sie doch auf dem Land aufgewachsen.
In ihren Landschaftsdarstellungen kommt diese persönliche Erfahrung mit der Natur sehr schön rüber, wie z.B. das Bild mit den beiden Jungen in der Frühlingswiese belegt. Auch Tiere gehören zum Repertoire der Künstlerin. Wie begabt sie darin ist, erkennt man sofort an ihrem Ölbild «Kühe», das ausgesprochen lebensecht wirkt. >weitere Werke von Patrycja Koska (PDF)
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Martin Lay (1952)
Martin Lay. Immer schwierig, wie im Leben. Balance Nr.11 mit verschiedenen Hölzern, Firnis.
Martin Lay. Spannung im Spiel der Kräfte. Nr.1. Teilweise koloriert, auf Eichensockel. |
Martin Lay
Der 1952 geborene Holzbildhauer war in seinem Hauptberuf Arzt – mehr als vierzig Jahre lang. Nach seiner Pensionierung erfüllte er sich 2012 einen lang gehegten Wunsch: Ein eigenes Atelier, oder besser gesagt: eine eigene Werkstatt mit all den für seine Holzkunst benötigten Arbeitswerkzeugen.
Und wie kam er zu seiner Holzkunst? Er sagt das so: «In den 80er-Jahren begann ich mich mit Holzarbeiten unter dem Motto 'Was braucht ein Student?' zu befassen. Einfache Antwort: Tisch, Stühle, Bett, Lampen, Regale. Mit einer Stichsäge und einer Schleifmaschine startete ich ins Holzbusiness». Der nächste Schritt war die Zusammenarbeit mit einer Zimmerei. 1982 begann Martin Lay, Holz zu Kunst zu verabeiten, und zwar in Form von Holzveredelung aus Abfallprodukten von Schreinereien. 1985 hatte er seine erste Ausstellung mit kleineren Holzarbeiten.
Die an der Ausstellung in Adliswil präsentierten Skulpturen vermitteln den Eindruck von Fantasiegebilden. Allen scheint gemeinsam zu sein, dass sie auf Balance und Harmonie getrimmt sind. Wie kommen diese Gebilde zustande?
Der Holzkünstler erklärt das so: «Hölzer sind die tollsten Grundstoffe. Jeder Baum hat seine eigene Biologie, Struktur, Maserung und Farbe. Diese bestimmen die Realisierung einer Fantasie in Holz entscheidend mit. Daraus kann eine Vision entstehen, vergleichbar mit einer bestimmen Tonart oder dem Rhythmus in der Musik».
Ein schönes Beispiel dafür ist sein perfekt ausbalanciertes Oeuvre «Immer schwierig, wie im Leben, Balance Nr. 11». Könnte das nicht eine Anlehnung an eine Stimmgabel sein, in die ein fantasievolles Etwas eingefügt ist? Gerade so, dass es noch zu schweben scheint und doch fixiert ist, in perfekter Balance.
In jüngerer Zeit hat der Holzbildhauer damit begonnen, seine Kreationen zu kolorieren oder mit farbigen Elementen zu ergänzen, wie im Werk «Spannung im Spiel der Kräfte».
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Peter Weideli (1959)
Blick auf den See, Papierschnitt 2026, 13x18cm, Acrylrahmen. |
Peter Weideli
Von Beruf war der 1959 in Zürich geborene Künstler Zahnarzt. Seine Hobbys: Fotografieren, Zeichnen, Aquarellieren. In seiner Arztpraxis hingen jahrelang die besten Fotos, die er von seinen Reisen mit nach Hause brachte. Schon immer faszinierte ihn die Schwarz-Weiss-Fotografie mit ihren Lichtern und Schatten und den starken Kontrasten.
Inspiriert vom traditionellen und bekannten Scherenschnitt, begann er nach s/w-Fotos Papierschnitte herzustellen. Was unterscheidet den Papierschnitt vom Scherenschnitt? Vor allem die Arbeitsweise und das Werkzeug. Beim Papierschnitt wird das Motiv mit einem Messer oder Skalpell aus dem Papier herausgeschnitten; beim traditionelle Scherenschnitt dagegen mit der Schere. Vereinfacht könnte man sagen: Der Papierschnitt erfordert die feinere Klinge. Peter Weideli hat sich die Kunst des Papierschnitts selbst beigebracht. Wie weit er darin schon fortgeschritten ist, erkennt man an jenen Werken, die nicht nur grobe Silhouetten, sondern feinste Details aufweisen.
Wie zum Beispiel in seinem Werk «Kanal an der Sihl».
Schon fast «gemütlich» muten dagegen die relativ groben Ausschnitte bei «Blick auf den See» oder die in der Ausstellung ebenfalls präsentierten farbigen Arbeiten wie «Alcazar von Segovia» oder das mit einem feinen Aquarell kombinierte «Vitznau» an. Attraktiv sind sie allemal. Und ihre farbigen Akzente machen sie zu einem hübschen Wandschmuck.
>weitere Werke von Peter Weideli (PDF)
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Hatice Zeltner (1970)
Hatice Zeltner.
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Hatice Zeltner
Sie kommt 1970 in Istanbul zur Welt, wo sie auch aufwächst. In ihrer Familie spielen Kunst und Kultur eine wichtige Rolle, wodurch ihr Interesse an Kunst schon im Mädchenalter erwacht. Später wird sie Kunst zu ihrem Beruf machen, als promovierte Kunsthistorikerin mit Doktortitel. Und als Dozentin. In ihrer beruflichen Tätigkeit setzt sie ihr Wissen als Lehrerin ein. Sie unterrichtet Bildnerisches Gestalten sowie Textiles und Technisches Gestalten für die Oberstufe.
Seit dreissig Jahren lebt sie nun schon in der Schweiz, sie wohnt im Kanton Aargau. Seit Februar 2026 ist sie Mitglied im Verein kunstzürichsüd.
Ihr Oeuvre, das sie an der Ausstellung in Adliswil präsentiert, besteht aus abstrakten Gemälden in Acryl-Mischtechnik. Sie wählt dabei eine eigene, spannende Form von Abstraktion: Ihre Bilder sind nicht gegenständlich, aber auch nicht gegenstandslos.
Denn auf jedem ihrer Werke taucht irgendwo ein Ding oder etwas Figürliches auf – man weiss nur nicht, was es darstellen soll. So kann zwischen dem Gemälde und dem Betrachter eine Art Kommunikation entstehen, ein heiteres Frage- und Antwortspiel. Dieses Spiel wird noch durch eine Dimension erweitert, wenn man den Titel des Bildes mit einbezieht. Zum Teil kryptische Hinweise wie «S26+GK» verschleiern den Prozess des Verstehens noch. Aber auch wenn das Bild nur einfach «Brücke» heisst, gibt das Anlass zum Nachdenken. Sind das menschliche Figuren, die auf diesem dunklen Balken ihre Glieder baumeln lassen? Und ist das überhaupt die Brücke?
Das Ziel der Künstlerin ist es nicht, Antworten auf solche Fragen zu geben, sie möchte vielmehr Geschichten erzählen, die jeder Betrachter auf seine eigene Art interpretieren darf.
>weitere Werke von Hatice Zeltner (PDF)
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