Félix Vallotton (1865-1925)


Er selbst bezeichnet sich als Akt-Maler.

 

Er kommt in Lausanne als Sohn eines Drogisten zur Welt und zieht schon mit zarten 17 nach Paris. Dort schreibt er sich in die >Ecole des Beaux-Arts ein. Bereits drei Jahre später kann er im Salon des Artistes Français ausstellen. In der Schweiz sind seine Arbeiten erst 1890 zum ersten Mal zu sehen – an der Exposition Nationale Suisse des Beaux Art, in Bern.

 

In Paris schliesst er sich der «Rebellengruppe» der >Nabis an, zusammen mit seinen Freunden Edouard Vuillard, >Pierre Bonnard und Maurice Denis. Kopf der Gruppe ist Paul Sérusier. Sie befasst sich nicht nur mit Malerei und Bildhauerei, sondern auch mit Drucktechniken, Buchillustrationen und mit dem japanischen Holzschnitt.

 

Furore macht Vallotton dann mit seinem Gemälde «Das Bad am Sommerabend», das er 1893 im Salon des Indépendents in Paris zeigt. Ein «Skandalbild» mit nackten badenden Damen, das ihm den künstlerischen Durchbruch bringt.

 

Der nächste Durchbruch, der finanzielle, erfolgt 1899: Er heiratet die Tochter des einflussreichen Pariser Kunsthändlers Alexandre Bernheim (Galerie Bernheim-Jeune). Das öffnet ihm die Türen zur Pariser Gesellschaft und macht ihn finanziell unabhängig. Nun kann er sich ganz der Malerei widmen.

 

1900 wird er französischer Staatsbürger. Er pflegt aber auch seine Kontakte und Freundschaften in der Schweiz. So berät er das Sammler-Ehepaar Arthur und Hedy Hahnloser beim Aufbau einer Kollektion mit französischen Modernen in der Villa Flora in Winterthur.

 

>mehr über die Sammlung Hahnloser.

 

 

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Félix Vallotton, Selbstbildnis 1905.

Kunsthaus Zürich.

 

 

Seine erste Einzelausstellung in der Schweiz bietet ihm 1910 das Kunsthaus Zürich. Auch hier verursachen seine freizügigen Nackedeien einen Skandal, mehr noch als 17 Jahre zuvor in Paris: In Zürich verwehrt man den Jugendlichen sogar den Zutritt zur Ausstellung. Von den 1700 Gemälden, die Vallotton im Laufe seines Lebens geschaffen hat, ist ein beachtlicher Teil dem weiblichen Akt gewidmet.

 

Félix Vallotton ist nicht nur Kunstmaler, sondern auch Schriftsteller. Er schreibt Romane und Theaterstücke. Sein Roman «La vie meurtrière» wird zwei Jahre nach seinem Tod posthum veröffentlicht.

 

Ab 1920 ist er gesundheitlich angeschlagen, dennoch fallen in diese Lebensphase einige seiner starken Werke. Wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag stirbt Félix Vallotton im Dezember 1925 nach einer Krebsoperation. Er ist auf dem Pariser Friedhof von Montparnasse beerdigt.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Felix Vallotton (1865-1925).

Le repos des modèles, 1905.

Kunst Museum Winterthur Reinhart.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Le bain au soir
d'été, 1892.

 

 

1892: Der Durchbruch – Le bain au soir d'été

 

Nicht verwunderlich, dass er mit diesem Gemälde – gezeigt am «Salon des Indépendents» von 1893 in Paris – einen Skandal entfacht.

 

Einige der Damen, junge und ältere, glauben sich in diesem Bild in wenig vorteilhafter Pose zu erkennen.

 

Für den Künstler ist das Werk ein grosser Erfolg. Mit einem Schlag ist seine Karriere lanciert.

 

Das Bild gelangt 1965 ins Kunsthaus Zürich, es ist ein Ankauf der Gottfried Keller-Stiftung. In Zürich wird es vor der Ausstellung von 2015 «Monet, Gauguin, van Gogh» restauriert.

 

>mehr über dieses Werk

 

 

 

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1896: Holzschnitt «La Paresse»

 

Internationale Anerkennung findet er auch mit seinen Holzschnitten, die sich durch starke Kontraste und vor allem durch seine sozial-kritischen Motive auszeichnen. Sie werden in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht und finden grossen Anklang.

 

 

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1896: Maitresse et servante

 

Ein Thema, das nicht nur Vallotton fasziniert. Auch Vermeer und Manet haben sich damit befasst.

Zu diesem Bild haben sich etliche zeitgenössiche Kritiker die Frage gestellt, ob der Titel wohl zuträfe, oder ob es sich hier um zwei verliebte Frauen handeln könnte.

 

 

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Edouard Manet (1832-1883). Olympia, 1863. Musée d'Orsay,
Paris.

 

 

1913: La Blanche et la Noire

 

Dieses Gemälde ist einem Motiv von
Edouard Manet nachempfunden, in dem eine nackte Weisse (Prostituierte?) und eine schwarze Dienerin vorkommen. In Vallottons Version wird die schwarze 'Dienerin' allerdings zu einer selbstbewussten Zigarette rauchenden Freundin (oder Kollegin?).

 

In Manets Skandalbild von 1863 sind die Rollen klar verteilt: Seine Olympia – Synonym für Prostituierte – wird von einer schwarzen Dienerin betreut.

 

>mehr über Edouard Manet


 

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1906: Femme nue regardant dans un psyché

 

Mit Psyche hat das Wort nichts zu tun. Es steht ganz einfach für Ankleidespiegel.

 

Von der mehr symbolistischen Form wie beim «Bad am Sommerabend» löst sich Vallotton nach und nach und bildet seine nackten Frauen immer naturalistischer ab.

 

 

Félix Vallotton (1865-1925). La chaste Suzanne, 1922. Musée Cantonal de Lausanne.

 

1922: Die keusche Susanne

 

Ein beliebtes Thema für Akt-Maler: «Susanna und die zwei Alten». Weil die Geschichte aus der Bibel stammt, darf man eine nackte Frau abbilden, die von zwei Männern bedrängt wird. Ausgerechnet der Akt-Maler Vallotton verzichtet aber darauf. Er zeigt seine Susanne nicht als bedrängtes halbnacktes Opfer, sondern als selbstbewusste Frau im Gespräch mit den beiden Alten. Wie andere Künstler die Szene seit Jahrhunderten darstellen, hier:

 

>mehr über Susanna im Bade

 

 

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1924: Femme nue tenant un livre

 

Knallige Farben und viel Rundungen machen aus diesem Werk einen Hingucker. Es gehört zur permanenten Sammlung des Kunsthauses Zürich.

 

 

Felix Vallotton (1865-1925). Femme au collier bleu, 1925. Kunst Museum Winterthur Reinhart.

 

1925: Femme au collier bleu

 

Eines von Vallottons letzten Gemälden – es entsteht in seinem Todesjahr 1925. Mit diesem Werk bestätigt er gewissermassen sein Lieblingsthema Akte.

 

Er malt diesen Halbakt der «femme au collier bleu» ausgesprochen naturalistisch und verzichtet auf jegliche Beschönigung, Idealisierung oder Symbolisierung.

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Fotos / Diashow

 

 

>mehr über Félix Vallotton im Musée des Beaux-Arts, Lausanne

 

>Ausstellung Vallotton, Bonnard und die Nabis (Bern 2022)

   

 

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