Ausstellung «Conrad Meyer – Pionier des Schweizer
Barocks». Kunst Museum Winterthur Reinhart.

1.11.25 bis 1.2.26

 

 

Conrad Meyer (1618-1689)


Da klingelt doch etwas. Ist Conrad Meyer mit dem berühmten Zürcher Dichter Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) verwandt? Nein, nicht direkt. Aber Meyer ist ein alteingesessenes Zürcher Patriziergeschlecht. Der Dichter Conrad Ferdinand Meyer war Sohn eines Zürcher Regierungsrates; Conrad Meyer ein bedeutender Zürcher Maler in der Zeit des >Barocks.

 

 

Conrad Meyer (1618-1689). Selbstportrait

um 1675. Feder und Pinsel. Zentralbibliothek

Zürich, Graphische Sammlung

 

 

Conrad Meyer kommt am 3. Oktober 1618 in Zürich zur Welt. Sein Vater ist der Kupferstecher Dietrich Meyer. In dessen Werkstatt erhält Conrad seine künstlerische Ausbildung. Während seinen Wanderjahren arbeitet er auch in Frankfurt in der Werkstatt des Verlegers Matthäus Merian (1593-1650). Das ist kein Zufall, denn Merian – ein berühmtes Basler Geschlecht – hatte seine Lehre als Kupferstecher bei Conrads Vater, Dietrich Meyer, gemacht. Bei Matthäus Merian kommt der junge Conrad mit niederländischer und flämischer Kunst in Kontakt.

 

Ab 1642 ist Conrad Meyer wieder zurück in Zürich.
In seiner Heimatstadt wird er zum führenden Maler.
Bekannt ist er zunächst vor allem für seine Porträt- und Landschaftsgemälde. Er wird zu einem wichtigen Bildchronisten der Region und berühmt für seine Stadtansichten.

 

 

Conrad Meyer (1618-1689). Skizzenbuch,
Kunsthaus Zürich Graphische Sammlung.

 


Sein Œuvre umfasst gegen 1000 Radierungen, Kupferstiche und Zeichnungen und etwa 200 Gemälde. Bis heute sind es wichtige historische Quellen, weil sie das Aussehen von Städten, Landschaften und Menschen des 17. Jahrhunderts detailliert wiedergeben.


Sein Werk dokumentiert nicht nur das reformierte Zürich, sondern bereitet auch die Kunst der Landschaftsmalerei vor, wie sie dann ab dem 18. Jahrhundert von Malern wie >Caspar Wolf (1735-1783), >Alexandre Calame (1810-1864) oder >Ferdinand Hodler (1853-1918) weiter entwickelt wird.


Conrad Meyer ist bis zu seinem Tod in Zürich tätig.

Er stirbt am 15. Januar 1689.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Conrad Meyer (1618-1689). Blick auf Zürich
von Hirslanden aus im Herbst. Öl auf Leinwand. Privatbesitz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Conrad Meyer (1618-1689). Portrait Anna Maria Lavater, 1645. Privatsammlung.

 

Conrad Meyer (1618-1689). Forma, Habitus ac Mundus Virginis Thuricensis, 1659. Öl auf Leinwand. Privatsammlung.

 

 

 

Porträts – seine wichtigste Einnahmequelle


In der Zeit des städtischen Bürgertums geniesst Conrad Meyer den Ruf als gefragter Porträtist. Er schafft zahlreiche Bildnisse von Mitgliedern der Zürcher Gesellschaft und trägt zu einem visuellen «who's who» der Stadt bei.

 

Von ihm sind rund 200 Gemälde des Zürcher Bürgertums überliefert, darunter Ratsmitglieder, wohlhabende Familien und Geistliche. Conrad malt diese «offiziellen» Bürger-Porträts meist streng repräsentativ mit betont standesbewusster Haltung.


Von historischer Bedeutung sind aber nicht nur seine Porträts, sondern auch die Darstellungen von Zürchern und Zürcherinnen aus jener Zeit des Barocks.

 

Sein Gemälde «Forma, Habitus ac Mundus Virginis Thuricensis» zeigt eine elegant gekleidete Frau in einer Zürcher Tracht. Dabei geht es um «Form, Körperhaltung und Schmuck» dieser «Zürcher Jungfrau». Der Künstler nimmt sich bewusst jedes noch so kleine Details vor, wodurch das Gemälde zu einem historischen Vermächtnis wird. Farbe und Qualität des Stoffs, Ornamente, Halskette, mehrere Fingerringe an beiden Händen. Und im Hintergrund detailliert zu erkennen die Zürcher Stadtmauer, das Fraumünster, der St. Peter und die beiden Grossmünstertürme, ja sogar das Bauschänzli.

 

 

 

Conrad Meyer (1618-1689). Landgut der Schipf in Herrliberg, vom Winkel in Erlenbach aus gesehen.
Öl auf Leinwand. Detail. Privatbesitz.

 

Conrad Meyer (1618-1689). Glärnisch vom Löntschtal aus, 1655. Kreide. Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung.

 

 

Pionier der Landschaftsmalerei

 

Wieso wird er als solcher bezeichnet?

 

Weil er zu den ersten Schweizer Künstlern gehört, die die Natur vor Ort studierten und topografisch genau darstellten.

 

Vor ihm wurde die schweizerische Landschaft meist nur als Kulisse für Historien- oder Andachtsbilder gesehen. Er wendet sich von den bisher idealisierten oder biblisch‑allegorischen Landschaftsformeln ab und nimmt die reale Umgebung als eigenständiges Bildthema ernst. Dafür reist er ins Glarnerland und in die Alpen und fertigt Zeichnungen und Aquarelle direkt in der Natur an, um Lichteffekte, Topografie und Vegetation möglichst naturgetreu zu erfassen.


1655 unternimmt er mit dem niederländischen Maler Jan Hackaert (1628-1685) eine Reise ins Glarnerland. Es ist dies die erste Künstlerreise in die Schweizer Bergwelt überhaupt. Die beiden zeichnen dort erstmals das noch unberührte Löntschtal. Und zwar so genau, dass diese Blätter als «Inkunablen der Schweizer Landschaftsmalerei» gelten. Immerhin mehr als hundert Jahre vor dem «Alpenpionier»

>Caspar Wolf (1735-1783)

 

 

Conrad Meyer (1618-1689). Neujahrsblatt 1653. «Kämpf wider dich, so schlahest mich». Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung.

 

Conrad Meyer (1618-1689). Neujahrsblatt 1668.
Memento mori. Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung.

 

 

 

 

 

 

Sein Markenzeichen: Druckgrafiken

 

Die Druckgrafik steht im Zentrum von Conrad Meyers Schaffen. Über 1000 Blätter mit biblischen Szenen, moralische Allegorien und topographische Ansichten sind überliefert.


Gemeinsam mit dem Zürcher Dichter und Theologen Johann Wilhelm Simler (1605-1672) begründet er die Tradition der Zürcher Neujahrsblätter, in denen sich Kunst, Text und Moral zu einem bürgerlichen Bildungsprojekt vereinen. Eine Idee, die im protestantischen Zürich des 17. Jahrhunderts auf fruchtbaren Boden fällt und die bis heute fortbesteht.

 

Meyer ist nicht nur Künstler, sondern auch Chronist. In seinem Hausbuch (heute in der Zentralbibliothek Zürich) beschreibt er das Leben seiner eigenen Familie und des Zürcher Bürgertums. Damit gehört er zu den frühesten Kunstschriftstellern der Schweiz.

 

Das Neujahrsblatt von 1668 widmet er dem Thema Memento mori. Dieser lateinische Ausdruck besagt «Bedenke, dass du sterben musst» oder «Erinnere dich, dass du sterblich bist». Der Spruch stammt aus dem antiken Rom, wo ein Sklave einem siegreichen Feldherrn bei Triumphzügen zugeflüstert haben soll: «Memento mori». Manchmal wird der Spruch auch als «Memento te hominem esse» verwendet (Bedenke, dass du ein Mensch bist). Auch dies, um an die Vergänglichkeit erinnern.


In Kunst und Literatur symbolisiert «memento mori» die Vanitas-Thematik, also die Totenköpfe und die Sanduhren oder verwelkten Blumen in >Stillleben.

 

 

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>Ausstellung Conrad Meyer, Winterthur 2025


 

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