Antonio Canova (1757-1822).


Wenn es um Bildhauerei mit Vorbildern aus der griechische Antike geht, ist der Name Canova nicht weit. Er gehört zu den Grossen in diesem Geschäft.

 

Seine Heimatstadt Possagno liegt im Hinterland von Venedig. Sein Vater ist ein Steinmetz, aber von ihm lernt er das Handwerk nicht, denn er verliert ihn schon mit drei Jahren. Also wächst Antonio bei seinem Grossvater auf. Mit 14 schickt man ihn in eine Lehre in die Bildhauerwerkstatt Torretti. Gleichzeitig belegt der Lehrling in Venedig Kurse für Aktzeichnen. Und 1775, da ist er erst 18, macht er sich selbständig und gründet seine eigene Werkstatt.

 

Mit den beiden Statuen Orpheus und Eurydike macht er sich in Venedig einen Namen. 1779 zieht er nach Rom, wo er Gast beim venezianischen Gesandten Girolamo Zulian sein darf. Auch der ist ein Kunstliebhaber und versorgt Canova mit Aufträgen. Darunter ist eines von Canovas berühmtesten Werken: Amor und Psyche.

Als die Franzosen 1798 Rom besetzen, verlässt er die Stadt und kehrt nach Possagno zurück, wo er sich auch der Malerei widmet.

 

 

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Antonio Canova (1757-1822).

Die drei tanzenden Grazien, 1799.

Fotoquelle: WikiArt.

 

 

Zu Napoleon hat er einen guten Draht. In dessen Auftrag fertigt er mehrere Statuen, u.a. einen «Napoleon als Mars». Und eine nackte Venus, für die Napoleons Lieblingsschwester Pauline Modell steht. Hofkünstler von Kaiser Napoleon will er aber nicht werden. Seit 1802 ist er auswärtiges Mitglied der Académie des Beaux-arts in Paris.

 

In Rom trägt er ab 1802 den Titel eines «Oberaufsehers für Kunstschätze des Kirchenstaates». Als dann Kaiser Napoleon 1815 gestürzt wird, ist Canova – miornischerweise – für die Rückführung der von Napoleon geraubten Kunstwerke zuständig. Papst Pius VII verleiht ihm für diese Dienste den Titel eines Marquis von Ischia und gewährt ihm eine Jahresrente von dreitausend Kronen.

 

Canova stirbt am 13. Oktober 1822 in Venedig. Seine Gebeine liegen in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari; sein Herz wird getrennt bestattet und befindet sich in der Akademie von Venedig.

 

 

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Antonio Canova (1757-1822).
Selbstporträt. Fotoquelle: WikiArt.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Antonio Canova (1757-1822).
Paolina Borghese Bonaparte als Venus,

1805-08. Galleria Borghese, Rom.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Orpheus, 1776. Musei Vaticani.

 

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Eurydike, 1776. Foto WikiArt.

1776: Probleme mit dem Aktmodell.

Canova hat schon früh einen wichtigen Mäzen aus der Venezier Familie Falier. Von ihm erhält er den Auftrag, zwei Statuen für die Treppe seines Palastes zu fertigen. Klassiker wie Orpheus und Eurydike. Orpheus macht dem Künstler keine Probleme, aber bei Eurydike beginnen die Sorgen schon beim Modell.

 

Sein Grossvater kann sich nämlich nicht vorstellen, dass jemand nackt Modell stehen würde. Also berät er sich mit dem Dorfgeistlichen. Dieser sieht durchaus eine Möglichkeit: Wenn bei jeder Sitzung zwei Zeugen anwesend wären, dann müsste das gehen, und einer der zwei wäre er dann selber...

 

Das Mädchen zu finden, das «sich für die Kunst opfert», ist einfach. Aber die zwei Zeugen können nicht verhindern, dass sich der 18-jährige Antonio in sein Modell verliebt. Es soll seine erste Liebe gewesen sein. Quelle: «Rokoko» von Viktoria Charles und Klaus H. Carl.

 

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Amor küsst Psyche, 1793. Musée du Louvre, Paris.

 

1793: Der geflügelte Amor küsst Psyche.

Den Auftrag zu diesem Werk erhält Canova in Paris vom venezianischen Gesandten Girolamo Zulian. Was für ein schönes Märchen aus der griechischen Mythologie! Es geht um die Liebesgeschichte des Gottes Eros (römisch Amor) mit der Königstochter Psyche. Nach vielen Wirrungen wird auch Psyche unsterblich.

 

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Ercole e Lica, 1795-1815. Galleria Nazionale d'Arte Moderna, Roma.

 

1795: Herkules und Lichas.

Dieses dynamische Werk ist ein Highlight in der Galleria Nazionale >d'Arte Moderna in Rom. Das Motiv stammt aus der griechischen Mythologie – aus Sophokles' Tragödie «Die Trachinierinnen». Die Skulptur zeigt Herkules, wie er von Schmerzen gepeinigt seinen Diener Lichas packt und ihn ins Euböische Meer schleudert. Der sprichwörtliche «Lichasdienst» hat den Ursprung in dieser Story. Man versteht darunter eine gut gemeinte Tat, die sich hinterher als negativ entpuppt.

 

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Theseus besiegt
den Kentauren,
1805-19. Kunsthistorisches Museum, Wien.

 

1805: Theseus besiegt den Kentauren.

Den Auftrag zu diesem Werk erteilt Napoleon für den Corso in Mailand. Nach seinem Sturz 1815 erwirbt es Kaiser Franz II; 1891 kommt die Skulptur an ihren heutigen Standort im
>Kunsthistorischen Museum Wien.

 

Die Story: Auf der Hochzeit des Lapithenkönigs Peirithoos wollen die Kentauren die Frauen der Lapithen rauben. Unser Held Theseus verhindert das: er besiegt die Kentauren.

 

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Paolina Borghese Bonaparte als Venus, 1805-08. Villa und Galleria Borghese, Rom.

 

 

1805: Pauline Bonaparte Borghese als Venus.

Sie ist die Lieblingsschwester von Napoleon und heiratet auf seinen Wunsch hin den Adligen Camillo Borghese, Offizier in Frankreichs Diensten.

 

Einen Skandal löst sie aus, als sie Antonio Canova Modell sitzt für die Skulptur der nackten Venus, auch «Venus Victrix» (siegreiche Venus) oder «ruhende Venus» genannt. Das Werk findet aber grosse Bewunderung und ist auch heute noch das Highlight der >Villa Borghese in Rom.

 

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Napoleon als Mars, 1806. Apsley House London.

1806: Ein nackter Napoleon als Mars.

Napoleon ist bereits Kaiser, als Canova diese Statue erschafft. Erst 1811 zeigt er sie ihm. Dem inzwischen 42-jährigen Napoleon gefällt sie zwar, aber er findet, sie sei «etwas gar athletisch» geraten und verfügt, dass man sie der Öffentlichkeit nicht zeige. So kommt sie in die Katakomben des Louvre. Nach seinem Sturz 1815 kauft die englische Regierung die Statue für 66'000 Francs und schenkt sie dem Bezwinger Napoleons, dem Duke of Wellington. Heute steht sie im Vorraum seines ehemaligen Wohnhauses.


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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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