Ein Juwel am Stadtrand – oder besser gesagt am Waldrand – der Industriestadt Winterthur. Eine Fundgrube für Freunde der französischen Kunst. In einer Villa, die der Winterthurer Kunstsammler Oskar Reinhart 1924 zu seinem Wohnsitz und später zum Ort seiner Kunstsammlung ausbaute, befindet sich heute ein Museum von internationaler Spitzenklasse.
Die Villa «Am Römerholz» mit Museum,
Terrasse, Café und Parkanlage.
Neben der Villa als Anbau die «grosse Galerie».
Foto Google Earth.
Blick in den prächtigen Park, der heute (2026)
auch
vom Bund verwaltet wird.
Die «grosse Galerie» mit Weltklassewerken
der französischen Kunst nach der Renovation bis
Mai 2026. Neu mit hellblauen Wänden.
Pierre-Auguste Renoir (1841-1919).
La Grenouillère, 1869.
Vincent van Gogh (1853-1890). Innenhof des
Hospitals von Arles, 1889.
Kunstammler Oskar Reinhart (1882-1961) wollte seine Werke schon zu Lebzeiten der Öffentlichkeit zugänglich machen und schenkte bereits in den 1940er-Jahren einen Teil davon der Stadt Winterthur. Dieser Teil (vorwiegend schweizerische Künstler) ist in die «Stiftung Oskar Reinhart» eingeflossen, die im Kunst Museum Winterthur Reinhart am Stadtgarten zu sehen ist.
Den anderen Teil – samt Villa und Park – vermachte er testamentarisch der Schweizerischen Eidgenossenschaft, die die Sammlung «Am Römerholz» betreut und seit 1970 dem Publikum zugänglich macht.
Nach rund einjähriger Schliessung ab 2024 infolge von Renovierungsarbeiten konnte die Sammlung im Mai 2026 wiedereröffnet werden.
>Kunst Museum Winterthur Reinhart am Stadtgarten
>Villa Flora (nach der Renovation 2024)
Oskar Reinhart, 1943. Gemälde von
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Oskar Reinhart, der Kunstsammler
Oskar Reinhart (1885-1965) begann früh Kunst zu sammeln, konnte sich aber erst mit 39 Jahren seinen Traum verwirklichen und sich von der kaufmännischen Arbeit im Familienunternehmen zurückziehen. Ab 1924 widmete er sich ganz dem Ausbau der Kunstsammlung.
>mehr über Oskar Reinhart (PDF)
Die Begeisterung für Kunst muss Oskar Reinhart von seinem Vater, Theodor Reinhart (1849-1919), geerbt haben. Dieser war mit seiner Winterthurer Firma Gebrüder Volkart nicht nur ein höchst erfolgreicher Handelskaufmann – Schwerpunkt Baumwolle –, sondern auch ein Mäzen von verschiedenen Künstlern seiner Zeit.
Oskar Reinhart wollte seine Kunstsammlung schon früh der Öffentlichkeit zugänglich machen und schenkte bereits in den 1940er-Jahren einen Teil davon der Stadt Winterthur. Den anderen Teil – samt Villa und Museum – vermachte er testamentarisch der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
Warum Schweizerische Eidgenossenschaft?
Oskar Reinhart war seiner Heimatstadt Winterthur sehr verbunden und schenkte seiner Stadt eine wertvolle Sammlung von schweizerischen und süddeutschen Werken. Für seine französischen Weltklasse-Werke wollte er aber sicher stellen, dass diese als Schweizer Kulturgüter weiterleben. So vermachte er seine Sammlung, die 209 Werke umfasst, bewusst der Eidgenossenschaft mit dem Ziel, eine langfristige Garantie für die nationale Öffentlichkeit zu erreichen – unabhängig von kommunalen Finanzlagen oder politischen Mehrheiten.
50 Jahre Ausleihverbot
In seinem Testament verfügte Reinhart, dass diese Werke während 50 Jahren nicht ausgeliehen werden durften. 2018 wurde dieses Verbot teilweise aufgehoben. Aber auch heute noch ist die Eidgenossenschaft diesbezüglich zurückhaltend. Ausnahmen sind spärlich, sie betreffen Museen wie die National Gallery, die Courtauld Gallery London oder das Musée d'Orsay Paris. Angaben über Ausleihungen oder über Zusammenarbeit mit anderen Museen sind öffentlich nicht zugänglich.
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Highlights der Sammlung |
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Edouard Manet (1832-1883). Im Café, 1878.
Gustave Courbet (1819-1877). Die Woge, 1870. |
Schwerpunkt und Highlight: Die Franzosen
Französische Werke bilden den Schwerpunkt der Sammlung – für diese hatte Oskar Reinhart eine besondere Leidenschaft. Hier finden sich Trouvaillen von Jean-Auguste-Dominique Ingres, Eugène Delacroix, Théodore Géricault und Gustave Courbet.
Eine echte Schwäche hatte der Kunstsammler vor allem für die Impressionisten. Hier brilliert das Museum mit den Superstars Claude Monet, Edouard Manet und – stark vertreten – Pierre-Auguste Renoir. Dazu kann man sich an Werken von Gauguin, Cézanne, Toulouse-Lautrec, van Gogh und vielen weiteren erfreuen. Die Kollektion gibt einen fantastischen Einblick in die französische Kunst des 19. Jahrhunderts.
>Fotogalerie französische Highlights
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Cranach, Holbein, Brueghel
Zum ältesten Sammlungsbestand gehören Werke spätgotischer Meister aus der Region Oberrhein. Ein Highlight der deutschen Renaissance ist das Diptychon von Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553). Es zeigt Bildnisse des Ehepaars Dr. Johannes und Anna Cuspinian-Putsch aus dem Jahr 1502.
>Fotogalerie 15. und 16. Jahrhundert
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Nicolas Poussin (1594-1665). Die Heilige Familie, 1630. |
Poussin, El Greco, Rubens
Eine Auswahl von grossen Namen des 17. und 18. Jahrhunderts ist im kleinen Louis XVI-Salon der Villa «Am Römerholz» zu sehen. Darunter ausgesuchte Werke von Nicolas Poussin, Jean-François Millet, Frans Hals, El Greco, Claude Lorrain und Peter Paul Rubens.
>Fotogalerie 17. und 18. Jahrhundert
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Aristide Maillol (1861-1914). La Méditerranée, |
Skulpturen und Gemälde 20. Jahrhundert
Eine schöne Kollektion von Skulpturen aus Stein, Bronze und Terrakotta von französischen und schweizerischen Bildhauern.
Von Pablo Picasso gibt es zwar nur ein einziges Gemälde zu sehen, dafür aber ein seltenes aus seiner Blauen Periode. Und weitere Werke aus dem 20. Jht von Cézanne, Renoir und Utrillo.
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Sonderausstellung Lucas Cranach 2022 |
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Lucas Cranach – die Anfänge in Wien
Frühwerke des Künstlers sind selten. In der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien gezeigt wurden, waren Cranachs Arbeiten ab 1500 zu entdecken. Die Ausstellung lief vom 12.3. bis 12.6.2022.
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