Schloss Belvedere, Wien.


Einst eine feudale Schlossanlage des Prinzen Eugen von Savoyen, der es als Feldherr zu höchsten Ehren brachte. Heute ist das Schloss ein Museum.

 

Zu verdanken ist das der berühmtesten Habsburgerin, >Maria Theresia, die die Gemäldegalerie bereits 1781 dem «gemeinen Volk» zugänglich machte. Damit eröffnete sie eines der ersten Museen der Welt.

 

Das «obere Belvedere», das Prachtschloss, war noch bis 1914 bewohnt. Kaiser Franz Josef I hatte die prunkvolle Bleibe seinem Thronfolger zur Verfügung gestellt: Franz Ferdinand.

 

Aber dieser wurde im Sommer 1914 bei einem Attentat in Sarajewo von einem serbischen Separatisten ermordet. Der Kaiser nahm das Attentat als Vorwand, Serbien den Krieg zu erklären. Mit grauenhaften Folgen, wie man heute weiss. Denn aus dieser einfachen – und wohl gedankenlosen – Kriegserklärung entwickelte sich der brutalste Krieg, den die Welt bis dahin gesehen hatte: der Erste Weltkrieg. Als er 1918 mit Millionen von Toten zu Ende ging, war auch die habsburgische Monarchie Geschichte.

 

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Seit 1908 in der Sammlung: «Der Kuss»
von Gustav Klimt.

 

 

Von 1938 bis 1945 hatte hier Adolf Hitler das Sagen – auch in Sachen Kunst. Die Nazis erhöhten sogar das Ankaufsbudget für «arteigene deutsche Kunst». Im Gegenzug wurde aber die Moderne Galerie unter dem Vorwand geschlossen, «entartete Kunst vor der Beschlagnahmung zu retten». Tatsächlich wurden viele dieser Gemälde ins Ausland verkauft, weitere vernichtet. Bedeutende Werke gingen für immer verloren. Im Zweiten Weltkrieg wurden beide Schlösser von Bomben schwer beschädigt. Der Wiederaufbau dauerte bis 1953.

 

1955 fand im Belvedere ein wichtiger Staatakt statt: Die Unterzeichnung des Vertrages, der der jungen Republik Österreich nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg die Staatssouveränität zurückgab.

 

 

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Unteres Belvedere.

 

 

 

 

 

Titelfoto: Oberes Belvedere.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Prinz Eugen von Savoyen nach der Schlacht von Belgrad 1717.
Von Jacob van Schuppen (1670-1751), 1718.

Das Prachtschloss des französischen Prinzen.

Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736) gilt als der bedeutendste Feldherr im Habsburgerreich. Eigentlich hätte er seinem (französischen) König Louis XIV dienen wollen, dieser findet ihn aber zu schwach.

 

Eugen wechselt zu den Habsburgern. Er wird Oberbefehlshaber im Grossen Türkenkrieg von 1683-1699 und schlägt die Osmanen zurück. Dann leitet er die kaiserliche Gegenoffensive, in deren Verlauf die Türken aus Ungarn vertrieben werden. Mit der Eroberung von Belgrad 1717 erweitert Eugen das Habsburgerreich um Teile des Balkans. Auf dem Gipfel seiner Karriere ist er steinreich, kauft sich Ländereien und baut unter anderem das Schloss Belvedere.

 

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Im Oberen
Belvedere ist die Kunstsammlung zuhause.

 

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Gartenanlage
und Blick zum Unteren Belvedere.

 

Der Bau der Schlösser.

Ein bereits bestehendes kleineres Gebäude wird von 1714-1716 zum Sommerwohnsitz von Prinz Eugen umgebaut (unteres Belvedere).

 

Das Obere Belvedere (Bild links) sollte ursprünglich nur ein kleines Gebäude werden, um den Garten optisch abzuschliessen. Eugen lässt es dann aber zu einem prunkvollen Schloss ausbauen. Es wird 1726 fertiggestellt.

 

Der Garten ist der älteste Teil der Anlage. Er wird schon um 1700 vom Le Nôtre-Schüler Dominique Girard angelegt und 1725 vollendet. (Le Nôtre ist der berühmte Gartenbauer, der auch den Jardin des Tuileries in Paris gestaltet hat). Im Bild ganz hinten ist das untere Belvedere zu erkennen.

 

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Maria Theresia verheiratete im Belvedere ihre Tochter Marie-Antoinette mit Louis XVI.

Von Prinz Eugen zu Maria Theresia.

Als Prinz Eugen 1736 stirbt, erbt seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen das Schloss. Sie verkauft es 1752 an die Kaiserin >Maria Theresia.

 

1770 richtet diese hier eine pompöse Hochzeitsfeier aus: Die Vermählung ihrer Tochter Marie-Antoinette mit dem französischen Dauphin, dem künftigen König Louis XVI.

 

Maria Theresia macht dem Volk die Gemäldegalerie aus der Stallburg zugänglich. 1776 lässt sie die Werke ins Obere Belvedere zügeln. Sie öffnet das Museum 1781 fürs Publikum.

 

 

Highlights der Gemäldesammlung

 

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Jacques-Louis David (1748-1825). Napoleon auf dem Grossen Sankt Bernhard.

 

 

Napoleon am Grossen Sankt Bernhard.

Eines der berühmtesten Bilder des Historienmalers Jacques-Louis David. Es heisst «Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Grossen Sankt Bernhard», 1801.

 

Es symbolisiert Bonapartes Sieg über die Österreicher bei Marengo. Von diesem Gemälde existieren fünf Versionen. Zwei davon hängen in Versailles, je eines in den Schlössern Malmaison, Charlottenburg und Belvedere.

 

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Judith I, 1901.

Gustav Klimt: Judith I, 1901.

In seiner «goldenen Phase» malte Klimt seine berühmtesten Werke. Für Judith – eine biblische Gestalt – wählte er als Modell seine Muse Adele Bloch-Bauer.

 

Und wer war Judith? Sie enstammt dem Buch Judit aus dem Alten Testament und setzt sich für ihr Volk ein. Als die Israeliten von den Assyrern attackiert werden, scheicht sie sich in deren Heerlager und bringt den General Holofernes um. Sein abgetrennter Kopf ist am Bildrand rechts gerade noch zu sehen.

 

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Der Kuss,
1907-08.

Gustav Klimt: Der Kuss, 1907-08.

Als Klimt dieses Bild erstmals vorstellte, war sogar das kaiserlich-königliche «Ministerium für Kultus und Unterricht» begeistert – und kaufte das goldene Meisterwerk sofort.

 

«Der Kuss» gilt heute als das berühmteste aller Klimtbilder.

 

 

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Nach dem Bade, 1876.

 

 

Pierre Auguste Renoir (1841-1919).

«Nach dem Bade» heisst dieses Gemälde von 1876. In die Sammlung Belvedere kam es 1910 über die Kunsthandlung H.O. Miethke, Wien.

 

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hundertwasserDer grosse Weg, 1955.

Friedensreich Hundertwasser (1928-2000).

«Der grosse Weg», 1955. In den 50er-Jahren kommt der Künstler mit dem Zen-Buddhismus in Kontakt, er bereist auch Japan. Er ist auf der Suche nach dem «Inneren Frieden». Die Spirale steht für den langen Weg dorthin.

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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