Albertinum Dresden:
Die «Neuen Meister» und
die Skulpturensammlung.


Albertinum? Da klingelt doch was: In Wien gibt es die Albertina... könnte da etwa der gleiche Namensgeber dahinterstecken? Nein. Der «Wiener Albert» ist zwar auch ein Sachse, aber der lebte rund 100 Jahre vorher:

Herzog Albert von Sachsen-Teschen. Der Namensgeber des Dresdner Albertinums hingegen ist König Albert von Sachsen (1828-1902). Das wäre also mal geklärt.

 

 

albertinum

Das Albertinum in italienischem Renaissance-Stil.

 

 

Noch im 16. Jahrhundert war das Renaissancegebäude ein Zeughaus. Preussische Truppen plünderten es während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763), verschonten aber die schöne Hülle. 1884 beschloss man, das Haus in ein Museum umzubauen. 1891 fand die Eröffnung statt. Zunächst wurde hier nur die Skulpturensammlung präsentiert, später kamen Gemälde dazu.

 

Bomben im Zweiten Weltkrieg 1945 beschädigten das Gebäude stark. Einige Gemälde gingen verloren, weitere wurden in die Sowjetunion abtransportiert – diese wurden allerdings in den 50er-Jahren wieder an die DDR zurückerstattet. 1965 wurde das Albertinum durch die Gemäldegalerie «Neue Meister» erweitert.

 

Beim Elbhochwasser von 2002 drang Wasser in die unterirdischen Depoträume. Dank einem Grosseinsatz vieler Helfer konnten die Kunstwerke gerade noch in Sicherheit gebracht werden, aber eine Sanierung des Gebäudes wurde dringend nötig. Künstlerstars wie Gerhard Richter und Georg Baselitz spendeten Werke, die an einer Auktion veräussert wurden und über 3 Mio Euro einbrachten. Damit konnte man eine erste Sanierung finanzieren.

 

Von überfluteten Kellern wollte man sich nun für immer verabschieden. Und realisierte eine geniale Idee: Das Depot auf dem Dach! Die Stahlkonstruktion fügt sich so perfekt in das historische Gebäude ein, dass man das neue Depot von unten gar nicht erkennen kann. Man sieht es nur aus der Luft.

 

 

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Albertinum aus der Luft (Foto Google Earth).

 

 

Zwischen 2006 und 2010 entstand die «Arche für die Kunst» auf dem Dach, 17 Meter über dem Innenhof. Die stählerne Fachwerkskonstruktion – ähnlich einer Brücke – brachte zwei neue Stockwerke, in denen Depots und Werkstätten eingerichtet wurden. Neben der Gemäldesammlung «Neue Meister» und den Skulpturen werden heute auch Werke zeitgenössischer Kunst gezeigt.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Max Klinger (1857-1920).
Das Drama, 1904, Marmor.

Albertinum Dresden.

 

 

 

 

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König Albert.

 

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Albert als Prinz von Sachsen, 1833. Von Carl C. Vogel von Vogelstein
(1788-1868).

 

König Albert von Sachsen (1828-1902).

Das Albertinum trägt zwar seinen Namen, aber Albert hatte mit Kunst nicht viel am Hut. Hingegen zeigte er schon im Kindesalter Interesse an Waffen und militärischen Dingen und erhielt auch die entsprechenden Ausbildungen.

 

Als 20-jähriger Hauptmann nahm er 1848 am Krieg gegen Dänemark teil und führte schon bald eine Infanteriebrigade – als Generalmajor. 1866 war er für die Mobilmachung der sächsischen Armee zuständig, die Krieg gegen Preussen führte.

 

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm er an der berühmten Schlacht von Sedan teil – gegen Napoleon III. Nach der Kapitulation Frankreichs und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 unter Wilhelm I wurde Albert Generalfeldmarschall.

 

Sachsen gehörte nun zum Deutschen Reich und Albert wurde 1873 König von Sachsen. Als König setzte er sich für eine Reform des Steuerwesens sowie für eine Verbesserung der Armenpflege ein.

 

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Das Depot auf
dem Dach. Foto
Google Earth.

 

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Albertinum – die Sensation auf dem Dach.

Von aussen sieht das Museum im Stil der italienischen Hochrenaissance altehrwürdig aus. Im Innern dagegen gehört es zum Exklusivsten, was der moderne Museumsbau zu bieten hat.

 

Die Sensation liegt im Dach: Hier ist das Depot der Sammlung untergebracht, und nicht im Keller wie sonst bei allen Museen dieser Welt. Auf die Idee kam man, weil die Elbe immer mal wieder über die Ufer tritt und die Keller der Stadt flutet. Mit einer 2700 Tonnen schweren Stahlkonstruktion auf dem Dach des Hauses schaffte man nun Abhilfe. Der 2010 neu entstandene Raum beherbergt sowohl das Depot der Sammlung als auch Werkstätten für die Restauration der Bilder. Bauzeit 2006-2010, Kostenpunkt rund 60 Mio Euro.

 

Skulpturensammlung

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Kniende, 1911. Steinguss.

Wilhelm Lehmbruck (1881-1919).

Menschliche Figuren sind das Spezialgebiet des deutschen Bildhauers, der in den Kriegsjahren 1916-1918 in Zürich arbeitete. Er zeigt sie halb naturalistisch, halb expressionistisch und lässt sie oft Leid und Schmerz ausdrücken, ohne ihnen aber individuelle Gesichtszüge zu verpassen. Der Künstler selbst leidet unter Depressionen und nimmt sich 1919 in Berlin das Leben. Er ist an seinem Geburtsort Duisburg beerdigt.

 

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Herwarth Walden, 1917. Bronze.

 

 

William Wauer (1866-1962).

Er studiert an der Kunstakademie Dresden, später auch in Berlin und München. Er ist auch Publizist, Verleger und Kunstkritiker. Ab 1913 dreht er Filme und gründet seine eigene Filmgesellschaft. Seine kubistischen Skulpturen zeigt er an Ausstellungen in Berlin von 1918 bis 1922. Als die Nazis 1933 an die Macht kommen, versucht Wauer, sich mit diesen zu arrangieren, was aber nicht gelingt. Seine Werke werden als «entartet» eingestuft, er bekommt ein Arbeitsverbot. Ab 1957 ist er Vorsitzender des Verbands Deutscher Kultureinheit.

degas

Die kleine vierzehnjährige Tänzerin, 1875-1880. Bronze.

Edgar Degas (1834-1917).

«La petite danseuse de quatorze ans» gehört zu Degas berühmtesten Skulpturen. Das Original ist eine bemalte Wachsfigur mit echten Haaren und einem Ballettkleid aus Tüll. Das Pariser Publikum bekommt sie nur einmal zu sehen: 1881 auf der Ausstellung der Impressionisten. Bei den Kritikern setzt es Verrisse ab, die Presse sieht in dem Werk einen Skandal, der Künstler zeigt sie bis zu seinem Tod nicht mehr. Erst in seinem Nachlass kommt sie wieder zum Vorschein. Von 1921 bis 1931 werden davon 29 Bronzeabgüsse erstellt, die heute in verschiedenen Museen zu sehen sind, darunter das Musée d'Orsay, die Modern Tate und die Dresdner Skulpturensammlung. Das Original in Wachs befindet sich in Washington in der National Gallery of Art. >mehr über Edgar Degas

 

klinger

Das Drama, 1904, Marmor.

Max Klinger (1857-1920).

Meister des Symbolismus – sowohl in Skulpturen als auch in Gemälden. Zu seinem Themenkreis gehören Leidenschaft, Sehnsucht, Liebe, Erotik und Tod. Kunst studiert er in Karlsruhe, wo er sich auch einen Namen als Pianist macht. Ab 1881 hat er sein Atelier in Berlin, wo er den Schweizer Symbolisten Arnold Böcklin kennenlernt. Max Klinger ist auch Gründungsmitglied der Berliner Künstlergruppe XI und Mitglied der >Wiener Secession.

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Fotos / Diashow Skulpturensammlung

Deutsche Expressionisten

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Blauer Junge, 1920.

Carl Lohse (1895-1965).

Ein Hamburger. Im Ersten Weltkrieg überlebt er die Schlacht an der Somme und gerät 1916 in englische Kriegsgefangenschaft. Ab 1920 entstehen seine bemerkenswertesten expressionistischen Werke. 1945, im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs, wird er noch in den Volkssturm eingezogen. Nach dem Krieg nimmt er 1946 an der ersten «Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung» in Dresden teil.

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Stehende nackte Mädchen am Ofen, 1908.

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).

In Dresden gründet er 1905 zusammen mit Heckel, Bleyl und Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe >Brücke. Er entwickelt sich zum Expressionisten und malt Landschaften und Stadtansichten, am liebsten aber Aktbilder. 1915 tritt er als Freiwilliger in den Krieg ein und erleidet dort einen nervlichen Zusammenbruch. 1917 zieht er in die Schweiz, um sich in Davos behandeln zu lassen.

 

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Weitere deutsche Künstler

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Das Kreuz im Gebirge, Altarbild, 1807-08.

 

Caspar David Friedrich (1774-1840).

Der bekannteste deutsche Vertreter der Romantik. Er vollzieht als einer der ersten den Bruch mit der klassischen Landschaftsmalerei, hin zur modernen Kunst. Seine Allegorien sind oft von Melancholie geprägt. Im Albertinum ist eine starke Sammlung seiner Werke zu sehen.

 

 

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Der Krieg. Detail eines Triptychons, 1929-1932.

Otto Dix (1891-1969).

Zum Krieg hat Dix eine ganz besondere Beziehung. Im Ersten Weltkrieg wird er zum MG-Schützen ausgebildet, kämpft an der West- als auch an der Ostfront. Er wird verwundet, überlebt aber den Krieg. Er bringt eine Reihe von naturalistischen und abstrakten Zeichnungen mit nach Hause, die er in der Folge weiter verarbeitet.

 

1919 ist er Mitbegründer der >Dresdner Sezession. 1933 wird er als «entarteter» Künstler eingestuft. 260 seiner Werke werden beschlagnahmt.

 

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Internationale Künstler

 

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Parau Api. Gibt's was Neues? 1892.

 

Paul Gauguin (1848-1903).

Gauguins Geschichte ist die des erfolglosen Künstlers, der zeitlebens bös unten durch muss. Niemand will seine Bilder kaufen, solange er lebt. Nicht mal jene berühmten, die er in der Südsee malt, und die heute hunderte von Millionen wert sind.

 

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Deux danseuses, 1898.

Edgar Degas (1834-1917).

Sein Markenzeichen sind Balletttänzerinnen. Sein Malstil ist vielfältig und nicht einfach einzuordnen. Er hilft zwar mit, die Gruppe der Impressionisten zu gründen, sagt aber später, er «halte nicht viel von Malern, die auf Feldwegen pinseln» und wendet sich wieder davon ab. Selbst sieht er sich eher als Vertreter des Realismus.

 

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Fotos / Diashow internationale Künstler

   

 

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