Kunst über Mittag
2019

 


So heisst der Kurs, der von der Migros Klubschule angeboten wird. Eine interessante Formel! Einmal pro Woche trifft man sich über Mittag zwischen zwölf und ein Uhr im Kunsthaus Zürich, und wechselnde Referenten erläutern den Teilnehmern die Finessen eines einzelnen Werkes.

 

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Der Kurs findet zweimal jährlich während 12 Wochen statt, März bis Juni und Sepember bis Dezember.

Hier das «Protokoll» der besprochenen Werke in Kurzform.

 

 

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Sébastien Stoskopff.

 

 

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Detail.

 

 

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Detail.

16. April 2019, Referentin Andrea Sterczer

Sébastien Stoskopff (1597-1657).
Schrankbild mit Trinkgeschirr und Spanschachteln, 1625-30.

 

Stoskopff kommt 1597 in Strassbourg zur Welt. Schon früh zeigt er Talent im Zeichnen und Malen. Sein Vater, als berittener Kurier der Stadt tätig, hat einen guten Draht zum Stadtrat. Er bittet diesen um Untersützung für seinen Sohn, damit dieser Maler werden kann. Beim Strassbourger Kupferstecher Friedrich Brentel erhält er Zeichenunterricht. Nach dem Tod des Vaters 1615 wird seine Mutter nochmals beim Stadtrat vorstellig. Diesmal erhält der jetzt 18-jährige eine Malerausbildung in Hanau beim Künstler Daniel Soreau. Als dieser vier Jahre später stirbt, übernimmt Stoskopff dessen Atelier.

 

Ab 1622 arbeitet Stoskopff 17 Jahre lang in Paris und ist vor allem mit seinen fein ausgearbeiteten Stillleben erfolgreich. Das besprochene Gemälde aus den Jahren 1625-30 ist ein starkes Beispiel dafür.

 

1639 kehrt er nach Strassbourg zurück. Dort tritt er in die Zunft zur Steltz ein und macht sich einen Namen als anerkannten Maler und schafft es zu Wohlstand. Mit 60 stirbt er in einem Wirtshaus mit Verdacht auf zu hohen Alkoholgenuss. Zwanzig Jahre später findet man heraus, dass er vom Wirt ermordet wurde.

 

Stillleben – auch Vanitas genannt – gibt es als eigenständige Gattung erst ab dem 17. Jahrhundert. Vorher waren Stillleben nur als Teil von religiösen Bildern bekannt. Bei den Vanitas (lateinisch für Eitelkeit) geht es um die Vergänglichkeit der irdischen Existenz. Leblose Gegenstände werden zu Sinnbildern für die Kurzlebigkeit und den Tod aller Dinge. Sie können auch für die Hoffnung stehen, dass nach dem Tod des Menschen die Seele weiterlebt. In den folgenden Jahrhunderten verlieren die Stillleben diese Bedeutung nach und nach und werden dann mehr mit dem Ziel gefertigt, die malerischen Fähigkeiten des Künstlers zu zeigen.

 

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La porte de l'enfer.

 

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hand

9. April 2019, Referentin Maya Karacsony

Auguste Rodin (1840-1917).
Femme accroupie (Die Kauernde), 1882.

 

Mit einem seiner berühmtesten Werke, dem Höllentor (La porte de l'enfer), begann Rodin um 1880 und arbeitete bis fast zu seinem Tod 1917 daran.

 

Eigentlich wäre dieses Bronzeportal für das Musée des Arts Décoratifs in Paris bestimmt gewesen, aber es kam nie zur ursprünglich geplanten Ausführung. Erst 1926, also ein Jahrzehnt nach Rodins Tod, wurde der erste Bronzeguss gefertigt. Die Szenen und Figuren stammen aus Dante Alighieris «Göttlicher Komödie» und aus Charles Baudelaires «Die Blumen des Bösen».

 

Das Original des Höllentors steht im >Musée Rodin in Paris, ein Abguss vor dem Kunsthaus Zürich.

 

Aus dem Höllentor hat Rodin einige Figuren isoliert und als eigenständige Werke entstehen lassen. So zum Beispiel auch den weltbekannten «Denker» (Le penseur), von dem zahlreiche Versionen in vielen Grössen entstanden.

 

Eine dieser aus dem Höllentor isolierten Figuren ist auch im Kunsthaus Zürich zu sehen: Die Bronzeskulptur «Femme accroupie» (Die Kauernde) aus dem Jahr 1882. Im Höllentor selbst ist sie nur schwerlich zu erkennen, als eigenständige Figur dafür umso besser, zumal man sie im Museum von allen Seiten betrachten kann. Es wurden mehrere Bronzegüsse erstellt. Auch im Musée Rodin steht ein Abguss.

 

Als Ausgangsmaterial diente Rodin Terrakotta. Die Figur zeigt eine kauernde Frau in recht ungewöhnlicher Haltung. Damit weicht der Künstler bewusst von antiken Vorbildern ab. Sie ist ziemlich roh gearbeitet – (non finito als Stilmittel?) – was vor allem bei den Füssen und den Händen zum Ausdruck kommt, die recht klobig wirken. Anderseits ist der Rücken sehr fein gearbeitet, dort kann man sogar die Wirbelsäule detailliert erkennen.

 

>mehr über Auguste Rodin

petrini

Giuseppe Petrini
Hl. Lukas, die Madonna
malend, 1740.

 

weyden

Rogier van der
Weyden (1400-
1464). Lukas malt Madonna. Museum
Groeningen.
 

goessart

Jan Goessart
(1478-1542).
Lukas malt die
Madonna, 1520.
Kunsthistorisches
Museum, Wien.

 

2. April 2019, Referentin Andrea Sterczer

Giuseppe Antonio Petrini (1677-1759).
Der Heilige Lukas, die Madonna malend, um 1740.

 

Ob der Evangelist Lukas auch Maler war, ist nicht bekannt. Er war von Beruf Arzt und wirkte im 1. Jht n.Chr. in seiner Geburtsstadt Antiochia. Ihm soll in einer Vision die Madonna erschienen sein. Dieses Sujet wurde von vielen Künstlern verarbeitet. Petrinis Gemälde aus dem Jahr 1740 unterscheidet sich von älteren Werken dadurch, dass Lukas nicht malend dargestellt wird, sondern den Moment zeigt, in dem er die Vision hatte. Er blickt dabei den Betrachter des Bildes an und wirkt aufgeregt – von der Vision aufgewühlt. Das Bild entstand in der Barockzeit, also nach der Reformation. Die Kirche war jetzt bemüht, die Gläubigen mit solchen Bildern wieder für die Religion zu begeistern. Lukas wird meist in einem roten Umhang dargestellt. Er gilt auch als Patron der Maler. Daher kommt sein Name in den überall in Europa entstandenen «Lukas-Gilden» vor, wie sich viele Malergemeinschaften nannten. Lukas wird auch häufig als Stier abgebildet, dem Symbol der Evangelisten.

 

Der Barockmaler Giuseppe Antonio Petrini ist 1677 im Tessin geboren, das damals noch zu Italien gehörte. Er war vor allem in Lugano aktiv, aber auch in der Lombardei und im Veltlin. >mehr über Petrini (Link zu Historischem Lexikon der Schweiz)

 

Ältere Darstellungen des Sujets «Lukas malt die Madonna» zeigen dagegen nicht den Moment der Vision des Lukas, sondern die Handlung des Malens der Madonna. So im Gemälde von Rogier van der Weyden (frühes 15. Jht), wo der heilige Lukas zusammen mit Maria und dem Kind gezeigt werden, als ob sie real vorhanden wäre. Lukas hält ein Blatt vor sich, auf dem er die Madonna abbildet. Und dies nicht in seinem Atelier, sondern in häuslicher Umgebung. Dass Lukas eine Vision von Madonna hatte, muss der Bildbetrachter wissen, – das Bild erzählt diese Geschichte nicht.

 

Ganz anders im Werk von 1520 von Jan Goessart. Hier macht der niederländische Maler dem Betrachter mit der mystisch in Wolken gehüllten Madonna deutlich, dass der heilige Lukas eine Vision hat. Noch während der Vision malt er die Madonna mit Kind und Engeln.

taeuber

Sophie Taeuber.

 

 

doesburg

Theo van Doesburg.

 

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Theo van Doesburg. Aubette. Musée de Strassbourg. Foto Jean-Pierre
Dalbéra.

19. März 2019, Referentin Gabriele Lutz

Sophie Taeuber-Arp (1889-1943). Douze Espaces, 1939.

Theo van Doesburg (1883-1931). Komposition V., 1917-18.


Sophie Taeuber-Arp ist eine der meistverkannten Künstlerinnen der Schweiz. Sie war extrem vielseitig: als Textilgestalterin, Architektin, Innenarchitektin, Tänzerin, Lehrerin an der Kunstgewerbeschule Zürich. Etwas bekannter wurde sie erst, als sie auf der (alten) 50-Franken-Note verewigt wurde. In ihrem Spätwerk «Douze Espaces» löst sie sich von den geometischen Formen der >Konkreten Kunst und ergänzt diese durch freilaufende farbige Bänder. Auf die «zwölf Räume» kommt man, wenn man sich bei den Rechtecken, die den Hintergrund bilden, virtuelle Linien dazu denkt. Das ergibt dann drei vertikale Räume zu je vier «espaces».
>mehr über Sophie Taeuber-Arp: Film Sternstunde Kunst

 

Theo van Doesburg gilt als der Vater der Konkreten Kunst. Im hier vorgestellten Werk «Komposition V» von 1917-18 handelt es sich um einen Farbentwurf für ein Glasfenster, bestimmt für eine Villa in Holland. Über die Glasmalerei fand er den Zugang zu den geometrischen Formen und damit zur Konkreten Kunst.

 

Sophie Taeuber-Arp erhielt 1926 den Auftrag für die Ausgestaltung von zwölf Räumen für einen Vergnügungskomplex in Strassbourg, die «Aubette». Dieser enthielt u.a. eine Bar, Tanzräume, ein Billard-Zimmer, ein Kino. Der Auftrag für die zwölf Räume erschien ihr zu gross, sodass sie noch ihren Ehepartner Jean Arp und Theo van Doesburg zuzog. Als die zwölf Räume 1928 in Betrieb genommen wurden, gefiel dem Grossteil des Publikums das moderne Dekor nicht – die Zeit war dafür noch nicht reif. Der grösse Raum (Bild) wurde von Theo van Doesburg gestaltet. 1938 wurden alle Dekors von Taeuber, Arp und Doesburg entfernt. 2006 wurde das erste Geschoss des Aubette-Gebäudes restauriert, in den Originalzustand von 1928 versetzt und unter Denkmalschutz gestellt. Heute gelten die Räume als bedeutendes Werk der Moderne und können wieder besichtigt werden.

 

 

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