Ostern in Kunst und Wissenschaft –

die Auferstehung Christi.


Für die heutigen Menschen ist das Osterfest primär ein willkommener zusätzlicher Feiertag, für die Kinder ein fröhliches Eiersuchen und für Schoggihasen-Fabrikanten ein gutes Geschäft.

 

Aber Ostern ist mehr. Was steckt hinter dem Feiertag? Nichts weniger als das bedeutendste Fest der Christen, noch wichtiger als Weihnachten. Denn an Ostern ist etwas geschehen, was die Basis für den christlichen Glauben legte: Jesus ist von den Toten auferstanden. Und dann erst noch in den Himmel gefahren. Zum ewigen Leben.

 

Der Glaube an dieses Ereignis hält die Hoffnung von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt wach, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Sie glauben an das Wunder der Auferweckung. Und an den totalen Sieg über den Tod. Der nicht nur für den Moment erzielt wird, sondern für die Ewigkeit.

 

Andere Religionen versprechen ihren Anhängern Ähnliches – aber keine Ewigkeit. Zum Beispiel die Hindus mit ihrer Theorie der Reinkarnation. Diese sieht viele Tausende von neuen Leben vor. Die tote Seele sucht sich ein neues Zuhause, einen neuen Körper, Mensch oder Tier. Das nennt man dann das «Rad-des-immer-wieder-geboren-werdens». Aber irgendwann ist doch mal Schluss. Und auch bei den Buddhisten liegt das Ziel im Nirwana, in einer Art von erfülltem, glücklichen Erlöschen. Christen, die an Jesus glauben, kennen dagegen diesen Schluss nicht, auf sie wartet das ewige Leben.

 

 

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Andrea Mantegna (1431-1506).

Die Auffahrt Christi, 1461.

Galleria degli Uffizi, Florenz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

palmsonntag

Fresko in der Kirche von Zirl. Künstler unbekannt.

 

Palmsonntag: Einzug nach Jerusalem.

Der letzte Sonntag vor Ostern und Beginn der Karwoche. Christus kommt mit seinen Jüngern in die Stadt. Als die Menschen ihn einziehen sehen, streuen sie Palmzweige auf den Weg. Daher der Name. Palmen waren schon in der Antike heilige Bäume. Christus reitet auf einem Esel ein, das Symbol für Frieden und Gewaltlosigkeit. Für die Römer ist er trotzdem ein Provokateur.

abendmahl

Domenico Ghirlandaio
(1448-1494).
Das letzte Abendmahl, 1479-80. San Marco, Florenz.

 

Gründonnerstag: Das letzte Abendmahl.

Christus' letztes Essen mit seinen Jüngern (den zwölf Aposteln). Noch in der Nacht wird er verhaftet und anderntags gekreuzigt werden. Das Mahl findet in Jerusalem statt, zur Zeit des Pessachfestes. >mehr über das letzte Abendmahl.

 

Die Kirche feiert den Tag des Abendmahls als Gründonnerstag, auch als heiliger Donnerstag oder Palmdonnerstag. Der folgende Tag, an dem die Kreuzigung stattfindet, ist der Karfreitag.

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Beato Angelico (1395-1544). Kreuzigung Christi. Kloster San Marco, Florenz.

 

fussnagel

Beato Angelico,
Detail.

Karfreitag: Die Kreuzigung Christi.

Aus Sicht der römischen Besatzer in Jerusalem ist Jesus' Anspruch, der Herr über die Juden zu sein, ein Staatsverbrechen. Seine Hinrichtung am Kreuz – bewusst zum Pessachfest – ist Exempel und Warnung zugleich. Damit wollen die Römer weitere Aufstände im Keim ersticken. In welchem Jahr die Kreuzigung stattfand, ist nicht bekannt. Sie fällt aber in die Amtszeit des Pilatus (26-36 n.Chr).

 

Jesus' qualvolle Kreuzigung wurde wissenschaftlich untersucht (Quelle: >welt.de/wissenschaft). Die Studie kommt zum Schluss, dass der Verurteilte vom Gefängnis zur Hinrichtungsstätte nur den Querbalken tragen konnte – das ganze Kreuz wäre zu schwer gewesen. Die Nägel wurden nicht durch die Handflächen getrieben, sondern zwischen den kleinen Knochen der Handgelenke (die Handfläche hätte das Gewicht des Körpers nicht zu tragen vermocht). Die überkreuzten Füsse konnten mit einem Nagel durch den Span befestigt werden, wenn ein schräges Brett zusätzlichen Halt gab. Das Gemälde von Beato Angelico zeigt das ziemlich plastisch. Warum der Künstler den Nagel von einem Engel einschlagen lässt, ist eine ungeklärte Frage. Sicher ist, dass Jesus einen grässlichen Tod fand.

 

 

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Francesco di Simone da Santacroce
(1440-1508).
Die Auferstehung Christi. Kunstmuseum Basel.

 

Oster-Sonntag: Die Auferstehung.

Nach seinem Tod wird Jesus vom Kreuz genommen. Der Leichnam wird in ein Felsengrab gelegt. Dort liegt er zwei Nächte, von römischen Legionären bewacht. Doch am dritten Morgen ist das Grab offen und leer. Laut Bibel machen sich einige Frauen auf den Weg zum Grab, um den Leichnam zu salben, dabei ist auch Maria Magdalena (siehe unten). Da sie ein leeres Grab vorfinden, gehen sie davon aus, dass Jesus auferstanden ist.

 

Die Bibel berichtet davon, dass Jesus nach seiner Auferstehung während 40 Tagen immer wieder bei seinen Jüngern war. Sie sollen ihn gesehen und mit ihm gegessen haben. Apostelgeschichte Kapitel 1: «...liess sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes». Und dann sei er vor ihren Augen von einer Wolke aufgenommen worden und gen Himmel gefahren (Verse 9-10). Siehe Auffahrt unten.

 

Dass die moderne Wissenschaft Zweifel anmeldet, ist verständlich. Zumal ein leeres Grab kein Beweis für eine Auferstehung ist. Und die Geschichte mit der Wolke nicht besonders glaubhaft erscheint. Aber dafür ist eben der Glaube zuständig.

 

 

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Tizian (1490-1576). Maria Magdalena. Palazzo Pitti, Florenz.

 

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Orazio Lomi
Gentileschi (1563-1639).
Die büssende
Maria Magdalena in der Höhle,
1622-28. Kunsthistorisches Museum Wien.

 

 

Maria Magdalena, die Sünderin?

Sie gehört zu den Frauen, die Jesus' Kreuzigung verfolgen und am Ostermorgen das leere Grab entdecken. Sie trifft den Auferstandenen. Dieser trägt ihr auf, die Botschaft von seiner Auferstehung an die Jünger weiter zu verbreiten.

 

Maria Magdalena wird auch als «Gefährtin Jesu» bezeichnet. Im Philippus-Evangelium heisst es: «Der Erlöser liebte sie mehr als alle Jünger und küsste sie oft auf ihren Mund». Aus dieser Aussage entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte eine ganze Story. Zunächst wird sie als Apostelin gefeiert. Dann setzt sie aber Papst Gregor I im Jahr 591 n.Chr. (irrtümlich) jener «Sünderin» gleich, die Jesus die Füsse wusch. Worin die Sünde bestanden haben soll, wird allerdings nirgends erwähnt. Im Laufe der Zeit wird Maria Magdalena – auch in der Kunst – immer mehr in die Rolle der «büssenden Sünderin» gedrängt. In der Renaissance wird sie schliesslich sogar als Prostituierte dargestellt. Bis heute diskutiert man darüber, ob sie eine Geliebte von Jesus war. Die vier Evangelien berichten nur davon, dass sie an einer schweren Krankheit litt, von der Jesus sie heilte. Und dass sie sich ihm daraufhin anschloss und mit ihm nach Jerusalem zog. Aber warum sie deshalb eine Sünderin sein soll, darüber rätselt man bis heute.

 

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Hans Süss von Kulmbach (1480-1522). Die Himmelfahrt Christi, 1513.
The Metropolitan Museum of Art,
New York.

Auffahrt: Christus steigt in den Himmel auf.

An diesem Tag – genau 40 Tage nach seiner Auferstehung – fährt Christus als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel auf. Auffahrt fällt deshalb immer auf einen Donnerstag.

 

Auferstehung und Himmelfahrt bilden eine Einheit. Jesus gelangt leiblich ins Jenseits, ohne nach der Auferstehung nochmals zu sterben.

 

Im Mittelalter verdeutlichte man die Himmelfahrt ganz real: Man zog in der Kirche eine Christusfigur in das Gewölbe hinauf, dann liess man aus dem Gewölbehimmel Blumen und Heiligenbildchen regnen. Manchmal stürzte und misshandelte man auch Teufelsfiguren, um für Christus den ihm zustehenden himmlischen Thron frei zu machen.

 

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Giotto di Bondone (1266-1337).
La Pentecoste, ca. 1300. National Gallery London.

Pfingsten: Der heilige Geist kommt zur Erde.

Auch Pfingsten gehört noch zum Osterfest, es ist der 50. Ostertag. Hier wird die Entsendung des heiligen Geistes gefeiert (auch: Ausgiessung des heiligen Geistes). Im Neuen Testament heisst es, dass der «Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie in Jerusalem versammelt waren».

 

Pfingsten wird in der christlichen Tradition auch als Gründungstag der Kirche verstanden.

   
   

 

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