Ausstellung Französische Malerei 1820-1880

Kunsthaus Zürich. 10.11.2017 bis 28.1.2018

 

gefeiert

 

Gefeiert oder verspottet?


Der Titel der Ausstellung soll natürlich provozieren – und das gelingt ihm auch. In dieser Bilderschau darf man sich bei jedem Werk fragen, in welche der beiden Kategorien man es selber stecken würde.

 

Jahrhundertelang bestimmte die Jury am «Salon de Paris», was «gute Kunst» war. Schon seit 1673, als der Sonnenkönig Louis XIV den Salon begründete. Allerdings war damals die Beurteilung eines Gemäldes noch bedeutend leichter – es galt einfach die Leitlinie der akademischen Malerei. Später, als dann die Vorläufer der Impressionisten mit ihren groben Pinselstrichen auf den Plan traten, wurde es vertrackt: Das soll Kunst sein?

 

Für viele Künstler war der Salon ein Ort des Grauens. Vor allem für jene, deren Werke abgelehnt wurden. Zumal es für einige um die nackte Existenz ging. Und ohne Anerkennung durch den Salon mussten viele bös unten durch.

 

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Es gab aber auch Künstler, die ihren Stil flexibel anpassten, um einen Fuss in die Türe des Salons zu bekommen. Wie zum Beispiel Edouard Manet, der Velazquez nachahmte und dafür eine «ehrenvolle Erwähnung» erhielt. Anders Paul Cézanne. Er soll 17mal versucht haben, vom Salon akzeptiert zu werden – ohne Erfolg. Schliesslich stellte er nur noch am «Salon des Réfusés» aus und machte so seinen Weg. Oder Gustave Courbet: Erfolglos am Salon, baute er sich kurzerhand seinen eigenen Pavillon auf – an der Pariser Weltausstellung von 1855. Danach war er berühmt.

 

Die Zürcher Ausstellung zeigt spannende Werke aus der Epoche 1820 bis 1880 – zusammengetrommelt bei Museen aus aller Welt. Und weil sich die Wellen inzwischen gelegt haben und der Betrachter von heute ein «akademisches» Bild genau so gut finden kann wie ein impressionistisches, – je nach seinem persönlichen Geschmack – kommt hier jeder zu seinem Kunsterlebnis.

 

 

ausstellung

Stimmungsbild vom Salon de Paris.

 

 

 

 

 

Titelbild oben: Eugène Giraud (1806-1881).
Le bal de l'Opéra, 1866. Detail.
Musée Carnavalet Paris.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

napoleon

Ernest Meissonier (1815-1891), Campagne de France.

Napoléon und der Frankreichfeldzug 1814.

Mit solchen Klassikern konnte man die Salonjury immer überzeugen – wenn sie denn gut gemalt waren. Meissonier hat hier ganze Arbeit geleistet. Das Bild enstand 50 Jahre nach dem Ereignis, zeigt aber die Truppe Napoléons sehr realistisch. Sogar Marschall Ney ist zu erkennen (hinter dem Empéreur). Das Gemälde wurde am Salon von 1864 und an den Weltausstellungen 1867 und 1889 gezeigt.

cabanel

Alexandre Cabanel (1823-1889)

Davids Tochter Tamar. Historienmalerei.

Angenommen vom Salon 1875. Aber Kritik gab es auch: Die Farbkontraste seien zu stark. Das Bild zeigt Tamar, die von ihrem Halbbruder Amnon geschändet wurde und bei ihrem Bruder Trost und Zuflucht sucht. Abschalom schwört Rache – mit übertrieben theatralischer Geste. Kitschig? Im Salon kam das gut an.

sklavin

Jean-Léon Gérôme (1824-1904)

 

Der Sklavenmarkt, 1866.

Das sehr naturalistische Gemälde wurde von der Jury akzeptiert und am Salon 1867 gezeigt. Zwar wurde die «handwerkliche Ausführung» bemängelt, aber am Inhalt des Bildes störte sich kein Mensch. Eine nackte Sklavin wie ein Pferd zu begutachten, war offenbar normal. Und Begriffe wie Rassismus, Sexismus oder Menschenwürde gehörten noch nicht ins Alltagsvokabular.

bouguereau

William Bouguereau (1825-1905)

Le jour des morts (Allerseelen), 1859.

Zwei Frauen am Allerseelentag trauernd an einem Grab. Diese Genreszene kam bei den Juroren gut an. Das Gemälde wurde akzeptiert, am Salon 1859 ausgestellt und auch an der Weltausstellung von 1867 gezeigt. Ein eher untypisches Bild des Künstlers. Bouguereau hat sich vor allem mit mythologischen und pastoralen Motiven sowie mit Aktbildern einen Namen gemacht.

tissot

James Tissot (1836-1902)

Portrait de Mademoiselle L.L., 1864.

James Tissot präsentierte am Salon 1864 zum ersten Mal Gemälde mit zeitgenössisch elegant gekleideten Ladies. Beeindruckt war man nicht nur vom Outfit, sondern auch von diesem ziemlich gewagten Blick der Dame. Bis heute hat niemand herausgefunden, wer die geheimnisvolle Mademoiselle L.L. ist.

manet

Edouard Manet (1832-1883)

Edouard Manet – Les hirondelles, 1873.

Die Schwalben – ganz klein – sieht man erst auf den zweiten Blick. Im Vordergrund Madame Manet und die Mutter des Künstlers. Manet reichte das Bild 1874 ein, die Jury lehnte es ab. Sie konnte mit dem «unfertigen Erscheinungsbild» nichts anfangen. Die Zeit war noch nicht reif dafür.

 

renoir

Pierre-Auguste Renoir (1841-1919)

Renoir – Les moissonneurs, 1873.

«Die Schnitter». Auch Renoir malte solche Bilder etwas (zu) früh. Das Thema Bauernleben war zwar in, aber der impressionistische Stil wurde noch sehr kontrovers diskutiert. Es sei «ein Experiment ohne Ergebnis» fanden die Kritiker.

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